Gruppenfoto des Wissenschaftlichen Beirats in der Staatskanzlei

Der Wissenschaftliche Beirat

Die Landesregierung hat in der Kabinettsitzung am 26. Mai 2020 die Einberufung eines Wissenschaftlichen Beirats mit 12 Mitgliedern zum Corona-Pandemiemanagement beschlossen. Der Beirat soll die Komplexität des Pandemiemanagements aus interdisziplinärer Perspektive erschließen und diskutieren und dabei sein Arbeitsprogramm nach den Notwendigkeiten des Pandemie- und Pandemiefolgenmanagements aufstellen.

Der Wissenschaftliche Beirat hat am 4. Juni 2020 seine Arbeit aufgenommen und tagt regelmäßig in der Gruppe und mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern.

Der Wissenschaftliche Beirat publiziert auf dieser Webseite seine Ergebnisse.

Aufgaben

Der Beirat zum SARS-2/CoVID-19-Pandemie- und Pandemiefolgenmanagement der Thüringer Landesregierung hat drei Aufgaben:

Erstens werden aktuelle Anfragen der Landesregierung, gesellschaftliche Entwicklungen und Diskussionen aufgenommen und hieraus Impulse, Fragestellungen und Konzepte (Policy Empfehlungen) in die politische Entscheidungsfindung eingebracht.

Zweitens bearbeitet der Wissenschaftliche Beirat eigenständig Themen in multidisziplinärer Perspektive und bringt sie in den politischen Diskurs ein.

Drittens wird eine Bilanz zum Pandemie- und Pandemiefolgenmanagement erarbeitet und wird der Beirat darauf aufbauend Empfehlungen für das Management ähnlich gelagerter zukünftiger Ereignisse aussprechen.

Kontakt

Geschäftsstelle des Beirates
Regierungsstraße 73
99084 Erfurt

Tel: +49 (361) 57-3215225

Beirat-Corona@tsk.thueringen.de

Publikationen

Eulengremien

  • EULENGREMIUM 1:
    Bildungssystem

    04. August 2020

    Vorab

    In dieser ersten Kurzeinschätzung beurteilt der „Wissenschaftliche Beirat des Freistaates Thüringen zum Pandemiemanagement“ wissenschaftliche Grundlagen für das Bildungssystem in der Pandemie, konkret: Schulen und Kindertagesstätten, in der neuen Methode eines „Eulengremiums“. DasEulengremium ist ein innovatives Instrument der wissenschaftlichen Politikberatung*, das den Grad der Kontroverse einer wissenschaftlichen Position in drei Stufen einteilt:

    1= Konsens
    2= Unentschieden
    3= Kontrovers

    Politische und administrative Entscheidungen, die vom wissenschaftlichen Konsens abweichen, unterliegen – z. B. im Rahmen einer vorzunehmenden Abwägung widerstreitender Rechtsgüter – erhöhten Begründungsanforderungen.

    So ist z. B. die Aussage „Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung reduziert die Weiterverbreitung des Coronavirus“ eine wissenschaftlich konsensuelle Aussage (Eulengremium 1). Wenn eine politische Entscheidung von dem wissenschaftlichen Konsens abweicht, benötigt sie eine Begründung, um diese Abweichung zu rechtfertigen.

    Die “Eulengremium-Methode” ist ein Instrument für Entscheidungssituationen mit hoher Unsicherheit bei gleichzeitig kurzfristigem Bedarf an informierten Entscheidungen zu Fragenstellungen mit gesellschaftlicher Relevanz. Sie bietet in diesen Situationen einen raschen Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Konsens zu komplexen Fragen, der politischen und administrativen Entscheidungsträgern Orientierung geben kann (siehe dazu Impulspapier 1: Eulengremium).

    In diesem Eulengremium werden Kernfragen zu acht Bereichen aus der Beratung mit dem Bildungsministerium nach bestem aktuellem Wissen multidisziplinär beantwortet und bilden den Stand von Juli 2020 ab.

    1. Testung

    Zeit
    Wie viel Zeit liegt zwischen der Testung und der Ergebnisübermittlung bei geringem/regionalem/erweitertem/landesweitem Infektionsgeschehen?

    Die Durchführung einer PCR-Testung beträgt ca. 4-6 Stunden bis zum Vorliegen eines Ergebnisses. Die Zeit von der Probennahme bis zur Ergebnismitteilung kann durch verschiedene Faktoren verlängert werden, z. B. durch Transportzeiten der Proben oder durch das Prozessieren der Information und durch die Kommunikation der Behörden.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Testkapazität
    Welche Testkapazitäten stehen dem Freistaat Thüringen zur Verfügung?

    30.000/ Woche (1. Testkonzept, Stand Juni 2020);
    33.000/ Woche  (2. Testkonzept, Stand Juli 2020)

    Wie viele Testauswertungen sind pro Tag möglich?

    In Abhängigkeit von der Region: 4.200-4.700

    Wie werden die Pooltestungen umgesetzt?

    Geplant im Frühwarnsystem (s. unten)
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Warn-App
    Kann die Corona-App eine sinnvolle (freiwillige) Ergänzung sein?

    Ja.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    2. Infektiologie und Hygiene

    Kontagiösität von Kindern
    Wie ist der aktuelle wissenschaftliche Stand (Juli 2020) zu Kindern als Infektionsträgern bzw. -überträgern?

    Kinder unter 10 Jahren sind vermutlich weniger infektiös als Erwachsene, Kinder ab 10 Jahre sind vermutlich genauso infektiös wie Erwachsene. Die Datenlage dazu ist dünn.
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    Altersgruppen
    Können Abstufungen nach dem Alter der Kinder vorgenommen werden (etwa bis 6, bis 12, bis 18 Jahre)?

    Es gibt Hinweise, dass zwischen Kindern unter und über 10 Jahren unterschieden werden kann. Die Datenlage dazu ist dünn.
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    Schutzmaßnahmen in der Schule
    Ist bekannt, welche Schutzmaßnahmen wie wirksam sind?Ist erwiesen, dass das Infektionsrisiko bei Kontaktvermeidung / Maskennutzung / Händewaschen... merklich sinkt?

    Ja, Kontaktvermeidung und Abstandsregeln, das Tragen eines Mundnasenschutzes (MNS) sowie regelmäßige Händehygiene sind die Grundtechniken des Infektionsschutzes.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Das Maskentragen bei Kindern unter zwei Jahren wird nicht empfohlen.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Das Maskentragen von Kindern über zehn Jahre wird empfohlen.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Für das Maskentragen von Kindern zwischen zwei und zehn Jahren gibt es große Unsicherheit.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Zur Beurteilung, ob Maskentragen im Unterricht sinnvoll ist, findet gerade eine Bewertung aus unterschiedlichen Disziplinen (Pädagogik, Psychologie, Virologie, Public Health, u.a.) statt.
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    Ist das Fiebermessen beim Betreten der Schul- bzw. Kindertagesstätten und ggf. die Isolation von fiebrigen Kindern eine sinnvolle Präventionsmaßnahme?

    Generell sind die genannten Maßnahmen sinnvolle Präventionsmaßnahmen zur Infektionsvermeidung bei kranken Kindern, nicht aber speziell für Coronavirus-Erkrankungen, weil Kinder ansteckend sein können, bevor sie Symptome entwickeln.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Wann und weshalb ist es sinnvoll, dass Schule und Kindertagesstätten auf allgemeine, regional steigende Infektionszahlen mit mehr Kontaktvermeidung reagieren?

    Schulschließungen sind temporär sinnvoll, wenn es in der Umgebung der Schule (Stadt, Stadtteil, Klasse) ein so dynamisches Infektionsgeschehen gibt, dass Infektionsverläufe nicht mehr nachverfolgt werden kann.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Wie ist auf Verdachtsfälle zu reagieren - sollte man sie registrieren?

    Begründete Verdachtsfälle betreffen Personen, die typische Symptome haben oder die Kontakt mit einem typisch oder positiv getesteten Erkrankten hatten. Begründete Verdachtsfälle sollten getestet werden. Das Gesundheitsamt registriert im Rahmen der Kontaktnachverfolgung diese Personen.
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    Wann bzw. bei welcher Art und welchem Ausmaß von Infektionsgeschehen benötigen Menschen mit Risikomerkmalen besonderen Schutz?

    Menschen mit Risikomerkmalen benötigen besonderen Schutz, wenn sie in einer Umgebung sind, in der ein aktives, kontinuierliches (nicht nur sporadisches) Infektionsgeschehen stattfindet ohne epidemiologischen Zusammenhang (z. B. durch nachvollziehbaren Kontakt) und  die Nachverfolgungskompetenz der örtlichen Behörden überschritten ist.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Wie können Personen mit besonderen Risikomerkmale bei aktiven, kontinuierlichen Infektionsgeschehen geschützt werden?

    Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: entweder zieht sich die Person mit besonderen Risikomerkmalen aus dem sozialen Leben zurück („shieldung“) oder die Gesellschaft richtet für Menschen mit besonderen Risikomerkmalen geschützte Räume ein („cocooning“), z. B. gesonderte Einkaufszeiten. Die Datenlage zu einem Vergleich dieser beiden Strategien (shieldung vs. cocooning) ist noch dünn.
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    Wie kann das individuelle Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf evaluiert werden?

    Derzeit kann das individuelle Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf nur phänotypisch (alt, männlich, Übergewicht, Diabetes = wie bei Herzinfarktrisiko) ermittelt werden.
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    3. Pädagogik

    Fällt jüngeren Kindern das Lernen in der Distanz schwerer als älteren?

    Ja, aus entwicklungspsychologischer Sicht fällt es jüngeren Kindern auf Grund der kognitiven Entwicklung etwas schwerer, aus der Distanz zu lernen, da höhere Abstraktion notwendig ist. Für jüngere Kinder sind die emotionale Zuwendung und die unmittelbare Begleitung wichtige motivierende Faktoren. Zugleich ist davon auszugehen, dass erfolgreiches Distanzlernen nicht nur vom Alter abhängt, sondern ebenso von den medialen Vorerfahrungen in Schule und Familie, der Digitalkompetenz des Kindes, der Aufgabenstellung und ihrer Einbettung in direkte Lernformate sowie der digitalen Präsenz der Lehrkraft. Entscheidend ist, dass bei jüngeren Kindern das Distanzlernen durch die Eltern organisiert werden muss. Aktuelle Studien zeigen, dass insbesondere Eltern mit jüngeren Kindern stark belastet sind und Homeschooling eine große Herausforderung darstellt.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Lässt sich feststellen, dass Präsenzunterricht besonders sinnvoll zur Prüfungsvorbereitung ist?

    Hierzu sind keine Studien bekannt. Es ist anzunehmen, dass dies von ähnlichen Faktoren abhängt wie beim Distanzlernen im Allgemeinen. Wichtig für die Lernmotivation ist regelmäßiges Feedback, insbesondere, wenn über Distanz gelernt wird.
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    Verschärft das Distanzlernen die Abstände zwischen Kindern mit guten und schwierigen Lernbedingungen und -voraussetzungen?

    Ja, denn Kinder und Jugendliche aus Elternhäusern mit niedrigem Anregungsniveau profitieren von stärker strukturierten und angeleiteten Lernformaten.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Welche Kompetenzen können die Schülerinnen und Schüler gut im Distanzlernen erwerben?

    Die Kompetenzen, welche Schülerinnen und Schüler im Distanzlernen gut erwerben, sind abhängig von der gewählten Methode und der Didaktik; zentraler ist jedoch die Frage nach anderen Faktoren, wie die digitale Vorbildung, der Zugang zur Technik und zu Ressourcen. Zusätzlich scheint es Geschlechtereffekte zu geben: Jungen nehmen weniger an digitaler sozialer Interaktion teil (und sind auch weniger involviert in Social Media), erledigen aber dennoch die Aufgaben, insbesondere in (virtuellen) Kleingruppen (hands-on-tasks). Wichtig erscheint also, dass die Lehrerinnen und Lehrer Methodenvielfalt zeigen, auch beim digitalen Lernen!
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    Welche Kompetenzen des Lehrpersonals sind für das Distanzlernen besonders wichtig?

    Studien deuten darauf hin, dass insbesondere soziale Fertigkeiten wie Kommunikationsfähigkeit und Empathie wichtig sind. Regelmäßiges Feedback zum Lernstand und den erledigten Aufgaben ist essentiell. Dies legen auch Rückmeldungen der Eltern nahe. Gleichzeitig sollten die Lehrenden der Überzeugung sein, dass Distanzlernen effektiv sein kann; die eigene Einstellung überträgt sich auf den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Risikogruppen
    Wie geht man mit Lehrern um, die aufgrund ihres Alters zu einer Risikogruppe gehören, denen Distanzunterricht empfohlen wird, diese allerdings gleichzeitig Schwierigkeiten, ggf. auch Ängste bzgl. der Digitalen Lehre haben? 

    Ängste entstehen nicht direkt durch eine Situation, sondern über ihre subjektive Bewertung; insbesondere, wenn die Situation als negativ, unkontrollierbar und unsicher angesehen wird.

    Wir können die Pandemie nicht ändern, aber die Dinge, die damit zu tun haben, ergo: Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern soll die Lage so transparent wie möglich gemacht werden, Informationen müssen leicht zugänglich und Prozesse nachvollziehbar gestaltet sein. Konkret helfen FAQs, Flyer, aktualisierte Webseiten, Hotlines etc. Wichtig sind einheitliche Regelungen. Ein Frühwarnsystem als „Bewegungsmelder“ für Infektionsraten (siehe „Impulspapier Frühwarnsystem“) hilft, die Infektionslast zu erkennen. Es wird empfohlen, Hygienekonzepte mit eingängigen Formeln zu kommunizieren (z.B. AHA) und Aufgaben zu erteilen, so dass Selbstwirksamkeit (ich kann etwas tun, bin nicht hilflos) erlebt wird.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Interventions- und Eskalationskonzepte für die Pädagogik
    Welches sind aus pädagogischer Sicht Mindeststandards an die digitale Lehre, die bei einer On-Off-Regelung (z. B. lokalen Lockdowns oder 2. Welle) eingehalten werden sollten?

    Gute Kommunikation und kontinuierliches Feedback scheinen die wichtigsten Faktoren zu sein. Die Lehrerkräfte sollten verpflichtend angehalten werden, mindestens einmal wöchentlich den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern über Telekommunikation (individuell oder als Klasse) zu suchen. Neuer Lernstoff sollte gemeinsam besprochen werden und in regelmäßigen Abständen ein Feedback zu den erledigten Aufgaben erfolgen. Studien zeigen, dass andernfalls die Lernmotivation und somit auch die Leistungsfähigkeit (Noten) stark abfallen.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    4. Risikokommunikation

    Wie kann Ängsten bei Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern begegnet werden?

    Den Ängste der Betroffenen sollte mit guter Risikokommunikation begegnet werden. Siehe oben: Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern sollte die Lage so transparent wie möglich kommuniziert werden. Informationen müssen leicht zugänglich sein und Prozesse nachvollziehbar gestaltet. Konkret helfen FAQs, Flyer, aktualisierte Webseiten, Hotlines etc. Wichtig sind einheitliche Regelungen!
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Welche Informationen benötigt das pädagogische Personal?

    Schulleitungen besitzen großen Einfluss auf Interventionen innerhalb von Schulen; so sollte über partizipative Ansätze zunächst innerhalb der Schulen, dann innerhalb einer Konferenz der Schulleiterinnen und Schulleiter geklärt werden, welche Fragen bei den Lehrkräften in Thüringen bestehen.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Wie wichtig ist es für deren Akzeptanz, dass die für Kindertagesstätten und Schulen getroffenen Maßnahmen im Einklang mit den allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmen stehen?

    Wichtig für die Akzeptanz der für Kindertagesstätten und Schulen getroffenen Maßnahmen ist eine konsistente und klar kommunizierte Strategie. Es geht hier um die Kommunikation sozialer Normen. Regelungen erfüllen das Bedürfnis nach Informiertheit. Immer wenn es Abweichungen gibt, müssen diese sehr gut begründet werden.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Welche Formen der Begleitung für Schulen werden empfohlen?

    Wir empfehlen ein stärkeres Einbinden der Einrichtungs- bzw. Schulleitungen. Die Leitung gestaltet und startet die notwendigen Prozesse, begegnet Widerständen und unterstützt die Pädagoginnen und Pädagogen, neue Methoden anzuwenden. Hierzu benötigt man auch eine schul- bzw. einrichtungsspezifische Gesamtstrategie, die sich den Entwicklungen der Pandemie flexibel anpassen kann. Die Strategie sollte partizipativ entworfen werden. Es hat sich gezeigt, dass eine starke Führungsebene in der Lage ist, ein Gefühl der Gemeinsamkeit und gemeinsamen Wirksamkeit zu generieren, so dass soziales Handeln allen zugutekommt.

    Mit anderen Worten: Pädagoginnen und Pädagogen sollen von über Einrichtungs- bzw. Schulleitungen  überzeugt werden; denn, wenn diese nicht überzeugt sind, dass Bildung so funktioniert, dann funktioniert sie auch nicht.

    Insgesamt sollten funktionierende Konzepte und Materialien stärker innerhalb und zwischen Kindertageseinrichtungen bzw. Schulen geteilt werden.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    5. Digitalisierung

    Welche Rolle spielt die technische Infrastruktur bei einem Konzept zu den Interventionsstufen im Schulbetrieb bei einem Corona-Ausbruchgeschehen?

    Die technische Infrastruktur stellt eine wichtige Voraussetzung dar, um ein gestuftes Konzept, das je nach Infektionsgeschehen einen flexiblen Wechsel von Präsenz- und Online-Phasen zum Inhalt hat, erfolgreich zu implementieren.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Welche sind die wichtigsten Maßnahmen für eine effiziente und effektive Umsetzung von Online-Lernkonzepten (Fokus: Home-Schooling)?"

    Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen (sortiert):

    1. eine Strategie, wie – und eine Konkretisierung, was – die Digitalisierung zur Schul- und Unterrichtsentwicklung beitragen kann und soll,
    2. Weiterbildung und Kompetenzentwicklung bei der Umsetzung digitaler Lernkonzepte; das betrifft sowohl didaktische Konzepte, die technische Vielseitigkeit und datenschutzrechtliche Aspekte (Stichwort: DSGVO),
    3. die Festlegung von Standards bei Lernplattformen bzgl. Basisfunktionen, um Lernplattformen vergleichbar zu machen und um das Potenzial der verschiedenen existierenden Plattformentwicklungen auszunutzen und wieder zu kanalisieren, sowie
    4. der Ausbau der technischen Infrastruktur mit dem Schwerpunkt auf Netze (leitungsgebunden und funkbasiert)

    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    In welcher Reihenfolge (Priorität) und mit welchem Zeithorizont sollen diese Maßnahmen umgesetzt werden?

    Die Umsetzung sollte erfolgen durch

    1.   eine “faire” Bestandsaufnahme des Status quo (ohne Schuldzuweisungen; dass Deutschland große Versäumnisse hat, ist bekannt),
    2. eine Formulierung und Priorisierung von Zielen einer Digitalisierung der Schul- und Unterrichtsentwicklung hinsichtlich Schulform, Unterrichtsfach und Schulstufe,
    3. die Identifizierung und Einübung von “Basis/Minimalservices” zur schnellen Umschaltung von Präsenz- in Onlineunterricht,
    4. die Ablösung eines “undifferenzierten Digitalisierungsdrucks bzw. einer -erwartungshaltung” durch Anerkennung der Möglichkeiten und Grenzen von digitalem Unterricht – abhängig von Unterrichtsfach und Schulstufe,
    5. die Schaffung von Incentives sowohl auf Lehrkräfte- als auch Schulleitungsebene, um ausgewählte Digitalisierungsziele zu erreichen, sowie
    6. eine politische Rahmung der Digitalisierung nicht als notwendiges Übel, sondern als Chance für unsere Informationsgesellschaft.

    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    6. Ökonomie

    Hat eine längere Unterbrechung des Schulbesuchs (oder ein längerer nur eingeschränkter Schulbesuch) Auswirkungen auf den Kompetenzerwerb und somit auf das Humankapital der Schülerinnen und Schüler und ihren späteren Verdienst?

    Ja, wobei dieser Umfang individuell unterschiedlich ist und von sozio-ökonomischen Faktoren abhängt. Schulbesuch und damit einhergehend Kompetenzerwerb hat einen positiven Einfluss auf wirtschaftlichen Wohlstand. Ein eingeschränkter Schulbesuch schmälert den zukünftigen Arbeitsmarkterfolg (Erwerbseinkommen etc.).
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Hat eine längere Unterbrechung des Schulbesuchs (oder ein längerer nur eingeschränkter Schulbesuch) Auswirkungen auf die Arbeitsmarktbeteiligung der Eltern?

    Ja, es ist davon auszugehen,  dass 26% der Arbeitnehmer/innen in Deutschland Kinder bis 14 Jahre haben. Auch wenn man berücksichtigt, dass in Partnerhaushalten mit Kindern nicht beide Partner gleichzeitig für die Betreuung benötigt werden, lässt sich ableiten, dass etwa 10% der Beschäftigten von einer Kindertagesstätten- oder Schulschließung betroffen wären.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    7.Ethik

    Ausgangspunkt der ethischen Bewertung ist die Anerkennung von Menschenwürde und damit verbundenen Menschenrechten.

    Wie kann die Güterabwägung zwischen Recht auf körperliche Unversehrtheit für vulnerable Personen einerseits und Einschränkungen anderer Rechte wie das Recht auf Bildung, aber auch das Recht der Eltern, ihrer Arbeit nachgehen zu können, gelingen?

    Es handelt sich um Grundrechtekonflikte.

    Eulengremium-Einschätzung: 1 (= Konsens)

    Eine grundsätzliche Lösung des Konflikts ist im Allgemeinen nicht möglich. Beispielsweise ist es praktisch nicht möglich, gegeneinander ohne verlässliche Daten abschätzen zu können, ob es dem Lebenschutz von Bewohnern in Pflegeheimen mehr hilft, wenn sie zumindest eine vertraute Person treffen dürfen oder wenn sie davor geschützt wird, überhaupt eine Person zu treffen, die nicht für Pflege und Versorgung unabdingbar ist. Anders gewendet: Gefährdet Vereinsamung das Leben der Betreffenden mehr als die Möglichkeit sich anzustecken? Die Akzeptanz für ein „Aushalten” derartiger Konflikte kann durch glaubwürdige Kommunikation der Konfliktdauer erhöht werden.

    Eulengremium-Einschätzung: 3 (= Kontrovers)

    Bei der Antwort zur Frage: „Nach welchen Kriterien sollten Schülerinnen und Schüler ausgewählt werden, wenn nur eine beschränkte Zahl von ihnen aufgrund von Abstandsregeln zum Präsenzunterricht zugelassen werden können?“

    Ist folgender Satz zu ergänzen:

    Hier besteht das Grundproblem darin, dass alle Parameter Gerechtigkeitsüberlegungen implizieren. Bis auf einen Konsens zur prozeduralen Gerechtigkeit sind alle übrigen Kriterien gesellschaftlich umstritten. Welche Berufe gelten als systemrelevant? Wer gilt als sozial benachteiligt? Usw.

    Sollte es eine allgemeine Corona-App-Pflicht für Lehrende und Schülerinnen und Schüler geben, in Analogie zum Impfpflichtnachweis bei Masern in der Kita?

    Hier gibt es einen Konflikt zwischen Selbstbestimmungsrecht versus Schutzpflichten. Problem: Es könnte gerade von denjenigen missbraucht werden, die die Schulpflicht ablehnen. Ferner gibt es keine gesetzlichen Regelungen, die das Folgeverhalten absichern (z. B. Soll die Schulpflicht für diejenigen ausgesetzt werden, die eine Warnmeldung bekommen? etc.). Ferner ist eine App-Pflicht insgesamt nicht gut akzeptiert und möglicherweise auch nicht rechtskonform.

    8. Recht

    Ist die Schulpflicht in Zeiten der Corona-Pandemie eingeschränkt?

    Nein, insbesondere können Schülerinnen und Schüler – und/oder ihre Eltern – nicht nach eigener Risikobewertung entscheiden, ob sie am Präsenzunterricht teilnehmen oder nicht. Eine großzügige Handhabung durch Schule bzw. Schulverwaltung ist möglich.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Ist die Arbeitspflicht der Lehrerinnen und Lehrer in Zeiten der Corona-Pandemie eingeschränkt?

    Nein, es gibt keinen Anspruch auf einen absoluten Gesundheitsschutz. Allerdings gibt es eine Verpflichtung des Dienstherrn/Arbeitgebers zu Maßnahmen des Arbeitsschutzes, insbesondere durch Hygienevorgaben. Grundsätzlich besteht kein Anspruch auf Befreiung von der Verpflichtung zum Präsenzunterricht; lediglich in Ausnahmefällen gibt es einen Anspruch, statt Präsenzunterricht Distanzunterricht zu erteilen. Eine großzügige Handhabung durch Dienstherrn bzw. Arbeitgeber ist möglich.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Ist die Pflicht des Staates zur Beschulung im Präsenzunterricht in Zeiten der Corona-Pandemie eingeschränkt?

    Ja. Nach Maßgabe der staatlichen Einschätzung des Infektionsgeschehens und der Rolle der Kinder bei diesem Geschehen (Infektiösität der Kinder, Rolle der Kinder bei der Weiterverbreitung des Virus) kann ganz oder teilweise auf andere Unterrichtsformen übergegangen werden. Bei der Entscheidung darüber sind die Nachteile und Risiken ("Kollateralschäden") einer solchen Änderung zu berücksichtigen. Bei der Einschätzung des Infektionsgeschehens und der Abwägung der Entscheidungsalternativen kommt dem Entscheidungsträger ein Spielraum zu. Allerdings sind die Erfahrungen aus dem bisherigen Pandemiegeschehen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

     

    * Die Ursprünge dieser Methode beruhen auf dem Buch des Soziologien Harry Collins: „Why Democracies need Sciences“, das 2017 in Cambridge (polity Verlag) veröffentlicht wurde. Diese Grundidee wurde für die Arbeit des Wissenschaftlichen Beirats abgewandelt und zum Instrument für die Beratung formuliert. Eulengremium steht dabei sinngemäß für die Fähigkeit von Eulen bis zu 180 Grad den Kopf zu drehen und so Fragestellungen von vielen Seiten zu betrachten.

Impulspapiere

  • IMPULSPAPIER 1:
    Eulengremium

    06. August 2020

    Ausgangssituation. Extremsituationen wie die Coronavirus-Pandemie sind bei politischen Entscheidungsträgern durch große Unsicherheiten und durch einen hohen Druck, weitreichende Entscheidungen, die unter Umständen größere Teile der Gesellschaft erheblich beeinträchtigen, kurzfristig treffen zu müssen, gekennzeichnet. In solchen Situationen unterliegen politische und administrative Entscheidungen, die vom wissenschaftlichen Konsens abweichen, – z. B. im Rahmen einer vorzunehmenden Abwägung widerstreitender Rechtsgüter – erhöhten Begründungsanforderungen. 

    Gewünschte Situation. Erwünscht ist in derartigen Situationen eine verlässliche Beurteilung des Standes der wissenschaftlichen Debatte zu ausgewählten Fragestellungen, die politischen Handlungsträgern Orientierung in Bezug auf das kurzfristige Treffen weitreichender, ggf. auch unpopulärer Maßnahmen geben kann.

    Intervention. Zur Erreichung dieser Situation kann die innovative Methode des "Eulengremiums" als neuem Instrument der wissenschaftlichen Politikberatung* genutzt werden.

    Ein Eulengremium sieht die Bewertung des Grades der Kontroverse einer wissenschaftlichen Position auf einer Skala von 1 bis 3 und eine schriftliche Erläuterung dieser Einschätzung vor. Dabei bedeutet 1 „Konsens“, 2 „Unentschieden“ und 3 „Kontroverse“. Die Aussage „Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung reduziert die Weiterverbreitung des Coronavirus‘ “ ist beispielsweise eine wissenschaftlich unumstrittene Aussage; das Eulengremium bewertet den Grad der Kontroverse, mit der diese Frage behandelt wird, entsprechend mit 1. 

    Politischen Entscheidungsträgern kann mit Hilfe des Eulengremiums rasch verdeutlicht werden, welche Entscheidungen ggf. vom wissenschaftlichen Konsens abweichen und daher einer ausführlicheren Begründung bedürfen.

    Ein Eulengremium ersetzt nicht die wissenschaftliche Arbeit zur Evidenzsicherung von Forschung – es bietet aber eine schnelle Übersicht über den Grad der Kontroverse zur Orientierung für politische Entscheidungen.

     

    * Die Ursprünge dieser Methode beruhen auf dem Buch des Soziologen Harry Collins: „Why Democracies need Sciences“, das 2017 in Cambridge (polity Verlag) veröffentlicht wurde. Diese Grundidee wurde für die Arbeit des Wissenschaftlichen Beirats abgewandelt und zum Instrument für die Beratung formuliert. Der Begriff des Eulengremiums orientiert sich an der Fähigkeit von Eulen, die bis zu 180 Grad den Kopf drehen können. Dies ermöglicht – im übertragenden Sinne – eine Fragestellung systematisch von vielen Seiten zu beurteilen.  

  • IMPULSPAPIER 2:
    Frühwarnsystem

    06. August 2020

    Ausgangssituation. Das Infektionsgeschehen wird erst sichtbar, wenn Erkrankte in Praxen oder in Krankenhäuser kommen und im Rahmen der Kontaktnachverfolgung weitere Infektionen erkannt werden. Es gibt bisher keine Strategie, die symptomlosen Infektionsträger die symptomlosen Infektionsträger zu identifizieren und es damit zu ermöglichen, Infektionsherde früh zu sehen und schnell einzudämmen.

    Gewünschte Situation. Eine systematische und frühe Erkennung von symptomlosen Infektionsträgern.

    Intervention. Es wird ein Frühwarnsystem vorgeschlagen, das im Sinne eines „Bewegungsmelders“ für Infektionsraten strategisch an drei sensiblen Orten symptomlose Infektionen registrieren kann.

    1. Kindertagesstääten/Schulen,
    2. Pflegeheime und
    3.  Superspreading-Events (z.B.  Chorproben, Gottesdienste, größere Familienfeiern in geschlossenen Räumen, Arbeiten in klimatisch und sozial prekären Verhältnissen wie Schlachthöfen, Vertriebshäusern, etc.).

    An diesen drei „Orten“* werden regelmäßig (z.B. wöchentlich) biostatisch sinnvolle Mengen an Proben (Rachen- oder Mundspülwasser) genommen (z.B. 1200 Proben/100.000 Einwohner), die gepoolt werden (z.B. 10er Pools), um die Testkapazitäten (PCR-Testung auf eine akute Infektion) effektiv und Ressourcen schonend zu nutzen. Mit diesen Angaben zur Anzahl der Testungen und den positiven Ergebnissen kann man sowohl früh einen Anstieg von Infektionsraten (Bewegungsmelder) erkennen und Infektionen schnell eindämmen, als auch einen biostatisch sinnvollen Wert über symptomfreie Infektionen gewinnen.

     

    *„Ort“ meint einen systematischen Ort in Gesellschaften, z.B. Teilnahme in Superspreading-Events.

  • IMPULSPAPIER 3:
    Risikoatlas

    06. August 2020

    Corona Risikoatlas Thüringen

    Ausgangssituation. Aktuell ist unbekannt, welche Teilräume (z. B. Landkreise und kreisfreie Städte) in Thüringen einem besonderen Risiko ausgesetzt sind, sich künftig zu Coronavirus-Clustern zu entwickeln, die lokale Lock-Down-Maßnahmen begrenzter Dauer erfordern. Ebenso ist unklar, wie die Kapazitäten dieser Teilräume ausgeprägt sind, Mechanismen zur erfolgreichen Bewältigung von Infektionsausbrüchen und Lock-Down-Maßnahmen zu ergreifen. Gleichzeitig lassen Analysen aus verschiedenen Disziplinen und in unterschiedlichen Ländern darauf schließen, dass bestimmte Räume nicht nur in besonderer Weise gefährdet sind, sich zu Coronavirus-Hotspots zu entwickeln (z. B. Schlachthöfe), sondern auch unterschiedlich ausgeprägte Resilienzen und Ressourcen im Hinblick auf die Bewältigung des Ausbruchs und der sozio-ökonomischen Folgen örtlich beschränkter Lock-Downs aufweisen.

    Gewünschte Situation. Wünschenswert ist eine Situation, in der größtmögliche Transparenz über die aktuelle Gefährdungslage von Regionen und deren Kapazitäten besteht, auf Infektionsausbrüche und potenzielle Lock-Down-Maßnahmen kurzfristig reagieren zu können. Eine solche Kenntnis von potenziellen Risiken und Reaktionskapazitäten gestattet es, im Falle eines lokalen Coronavirus-Ausbruchs gezielte Maßnahmen zur raschen Beilegung dieses Ausbruchs und der zeitlich und örtlich begrenzten Corona-Krise zu ergreifen. Gleichzeitig geben die identifizierten regionalen Unterschiede der Reaktionskapazitäten im Zusammenhang mit der identifizierten Risikosituation einen Hinweis darauf, an welchen Stellen die Kapazitäten im Vorfeld einer möglichen Krise verbessert werden sollten. 

    Intervention. Vor diesem Hintergrund schlägt der Wissenschaftliche Beirat vor, auf Basis vorliegender Studien wichtige Einflussfaktoren auf Coronavirus-Infektionen und Ausbreitungsmuster systematisch herauszuarbeiten, in eine Rangfolge zu bringen und die Verteilung dieser Einflussfaktoren in einem zweiten Schritt für verschiedene Thüringer Teilräume festzustellen. Hierbei soll das Risiko einer Region, einen Coronavirus-Ausbruch und potenziellen Lock-Down zu erfahren, über die Bildung eines synthetischen Index („Risikoindex“) graduell abgestuft werden (z. B. Hochrisikoräume, Risikoräume, "Normalräume"). Ferner wird vorgeschlagen, Indikatoren zu entwickeln, die Rückschlüsse auf die Kapazität eines Teilraums zulassen bzw. auf deren Grundlage es möglich ist, kurzfristig geeignete Maßnahmen zur Bewältigung eines möglichen Coronavirus-Ausbruchs und eine Ausbruch bedingten Lock-Down zu ergreifen. Auf Basis solcher Indikatoren gilt es ebenso, einen nach Dauer des zu erwartenden Ausbruchs und eines Lock-Downs differenzierten „Reaktionsindex“ zu erstellen und die räumliche Verteilung der diesem Index zugrundeliegenden Variablen anschließend für die Teilräume Thüringens zu ermitteln. Durch den Vergleich von Risikoindex und Reaktionsindex wird es möglich, diejenigen Räume schneller zu identifizieren, die Schwachstellen hinsichtlich ihrer Fähigkeit aufweisen, auf einen Coronavirus-Ausbruch und einen Lock-Down zu reagieren. Ferner wird vorgeschlagen, die Indizes mittels Geoinfinformationssystemen in einem Coronavirus-Risiko-Atlas für Thüringen zu veranschaulichen.

     

Mitglieder

PD Dr. Dr. Petra Dickmann

Vorsitzende

Universitätsklinikum Jena
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin

Petra Dickmann ist Ärztin und Sozialwissenschaftlerin und leitet den Bereich Public Health an der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin (KAI) des Uniklinikums Jena (UKJ). Sie hat langjährige Erfahrung im globalen Pandemiemanagement, sowohl im Ausbruchsmanagement in Zusammenarbeit mit Internationalen Organisationen (WHO, IFRC) wie auch zu strategischen Fragen der Risikokommunikation im Pandemiemanagement mit Regierungen und Regierungszusammenschlüssen (z. B. G7-Global Partnership). Nach Stationen am Robert Koch-Institut (RKI) im Zentrum Biologische Sicherheit, der Uniklinik Frankfurt am Main im Bereich Infektiologie/Hochinfektiöse Erkrankungen und der London School of Economics and Political Science (LSE) forscht Dickmann zur Governance von Risikomanagement und Risikokommunikation.

Porträt PD Dr. Dr. Petra Dickmann
PD Dr. Dr. Petra Dickmann, Foto: A. Günther (FSU Jena)

Prof. Dr. Silke Übelmesser

stellv. Vorsitzende

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre Finanzwissenschaft

Silke Übelmesser hat seit 2012 den Lehrstuhl für Allgemeine Volkswirtschaftslehre/ Finanzwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena inne. Ihre Hauptforschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Öffentlichen Finanzen, Sozialpolitik, Bildungsökonomie und Migration mit dem Fokus auf empirische Forschung. 2018 wurde Übelmesser in den unabhängigen Beirat des Stabilitätsrates berufen.

 

Prof. Dr. Silke Übelmesser
Prof. Dr. Silke Übelmesser

Prof. Dr. Cornelia Betsch

Universität Erfurt
Lehrstuhl Gesundheitskommunikation

Cornelia Betsch ist Psychologin und hat an der Universität Erfurt die Heisenberg Professur für Gesundheitskommunikation inne. Mit ihrer Arbeitsgruppe, dem Psychology and Infectious Diseases Lab (www.pidi-lab.de), untersucht sie aus psychologischer und interdisziplinärer Perspektive, wie Verhaltensaspekte den Infektionsschutz und den Umgang mit Infektionskrankheiten beeinflussen (zum Beispiel in den Bereichen Impfentscheidung, Impfpflicht, Masketragen, Widerlegen von Gesundheitsmythen, Einsatz von Antibiotika). Sie leitet das COVID-19 Snapshot Monitoring (COSMO), das (zwei)wöchentlich aktuelle Umfragedaten zur psychologischen COVDI-19 Lage unter www.corona-monitor.de veröffentlicht.

 

Porträt Prof. Dr. Cornelia Betsch
Prof. Dr. Cornelia Betsch, Foto: Marco Borggreve

Prof. Dr. Dr. Karlheinz Brandenburg

Technische Universität Ilmenau
Institut für Medien und Mobilkommunikation

Karlheinz Brandenburg war seit 2000 Fachgebietsleiter für Elektronische Medientechnik sowie Gründungsdirektor der Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie in Ilmenau. Seit 2020 ist er Senior Professor an der TU Ilmenau und CEO der neugegründeten Firma Brandenburg-Labs GmbH. Er ist bekannt für Arbeiten an der Audiocodierung (insbesondere das Format mp3). In diesem Zusammenhang ist er insbesondere gefragt zu Auswirkungen der Digitalisierung auf Industrie und Handwerk (z.B. Auswirkungen neuer Technik auf die Musikindustrie).

Prof. Dr. Dr. Karlheinz Brandenburg
Prof. Dr. Dr. Karlheinz Brandenburg, Foto: Fraunhofer IDMT

Prof. Dr. Nicole Harth

Ernst-Abbe-Hochschule Jena
Fachbereich Sozialwesen

Nicole Harth ist seit 2015 Professorin für Psychologie an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Als Sozialpsychologin setzt sie sich gleichermaßen für Theorieentwicklung als auch für die Lösung praxisrelevanter Probleme ein. Sie beschäftigt sich mit sozialer Ungleichheit, sozialen Konflikten und der Bedeutung emotionaler und sozialer Kompetenz in einer zunehmend komplexen Gesellschaft. Aktuell ist sie als Projektleiterin im Bereich Evaluation und Schulentwicklung (Sozialpädagogisches Teamteaching, ESF-Förderung) tätig. An der EAH entwickelt sie den Masterstudiengang Civic Education und ist im wissenschaftlichen Beirat des "Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft", IDZ, aktiv.

 

Poträt von Prof. Dr. Nicole Harth
Prof. Dr. Nicole Harth

Prof. Dr. Sebastian Henn

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie

Sebastian Henn ist seit 2014 Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeographie am Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seine Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte sind Urbane Ökonomien und Quartiersentwicklung, wissensbasierte Regionalentwicklung sowie globale Unternehmensverflechtungen und räumliche Entwicklungsdynamiken. Prof. Henn setzt sich mit den sozioökonomischen Implikationen der Covid-19-Pandemie in räumlicher Perspektive auseinander.

Poträt von Prof. Dr. Sebastian Henn
Prof. Dr. Sebastian Henn

Prof. Nikolaus Knoepffler

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lehrstuhl für Angewandte Ethik

Nikolaus Knoepffler hat Doktorate in Philosophie, Theologie und Staatswissenschaften. Seit 2002 ist er Lehrstuhlinhaber für Angewandte Ethik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) und leitet den Bereich „Ethik in den Wissenschaften“ der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften, deren Dekan er seit 2019 ist, und das fakultätsübergreifende Ethikzentrum der FSU (www.ethik.uni-jena.de). Knoepffler ist zudem kommissarischer Institutsdirektors des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin in der Medizinischen Fakultät. Er ist u. a. Vertreter Thüringens bei der per Staatsvertrag von sechs Ländern eingerichteten Ethikkommission für Präimplantationsdiagnostik bei der LÄK Baden-Württemberg.

Porträt von Prof. Dr. mult. Nikolaus Knoepffler
Prof. Dr. mult. Nikolaus Knoepffler

Prof. Dr. Barbara Lochner

Fachhochschule Erfurt
Lehrstuhl Pädagogik der Kindheit

Barbara Lochner ist Dipl.-Sozialpädagogik (MA) und seit April 2020 Professorin für Pädagogik der Kindheit an der Fachhochschule Erfurt. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe, die außerschulische Bildungsinfrastruktur, pädagogische Professionalität und Organisations- und Personalentwicklung in pädagogischen Einrichtungen. In ihren Forschungsarbeiten setzt sie sich insbesondere mit den Handlungsfeldern und Akteur*innen der Kindertagesbetreuung auseinander. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Thüringen und hat im April die Studie "Thüringer Familien in Zeiten von Corona" initiiert.

 

 

Poträt von Prof. Dr. Barbara Lochner
Prof. Dr. Barbara Lochner

Prof. Dr. Mathias Pletz

Universitätsklinikum Jena
Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene

Mathias Pletz ist Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Jena. Der Internist, Pneumologe, Infektiologe und 2011 zum Professor für klinische Infektiologie nach Jena berufen. Zuvor hatte er an Universitätskliniken in Basel, Berlin und Hannover sowie in Atlanta an der US-Gesundheitsbehörde (CDC) gearbeitet und geforscht. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind Pneumonie, Antibiotikaresistenzen und Impfungen. Er ist Mitglied des Expertenbeirats Influenza und des Wissenschaftlichen Beirates am Robert Koch-Institut sowie der internationalen CoVID-19 Expertengruppe der WHO und arbeitet im Vorstand verschiedener Fachgesellschaften und Forschungsnetzwerke. Er leitet u.a. die Studie zur Häufigkeit von Menschen mit CoVID-19 Antikörpern in Neustadt am Rennsteig.

 

 

Porträt von Prof. Dr. Mathias Pletz
Prof. Dr. Mathias Pletz, Foto: Anna Schroll, FSU Jena

Prof. Dr. Benno Stein

Bauhaus Universität Weimar
Lehrstuhl Web Technology and Information Systems

Benno Stein ist Professor für Informatik und leitet die Forschergruppe Web Technology and Information Systems (Webis) an der Bauhaus-Universität Weimar. Er betreibt Grundlagen- und angewandte Forschung in der Wissens- und Informationsverarbeitung, insbesondere auf den Gebieten des Information Retrieval, des Natural Language Processing und des Maschinellen Lernens. Er ist Mitgründer und Sprecher des Digital Bauhaus Lab.

 

 

Prof. Dr. Benno Stein
Prof. Dr. Benno Stein

Dr. Klaus von der Weiden

Richter am Bundesverwaltungsgericht / Richter am Thüringer Verfassungsgerichtshof

Nach Stationen in der Justiz und in leitenden Funktionen der Thüringer Ministerialverwaltung wurde Klaus von der Weiden 2011 zum Richter am Bundesverwaltungsgericht gewählt. Seit 2015 ist er zudem Mitglied des Thüringer Verfassungsgerichtshofs.

 

 

Dr. Klaus von der Weiden
Dr. Klaus von der Weiden

Prof. Dr. Ing. Viktor Wesselak

Hochschule Nordhausen
Lehrstuhl für regenerative Energiesysteme

Viktor Wesselak hat seit 2003 die Professur "Regenerative Energiesysteme" an der Hochschule Nordhausen inne. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen insbesondere in systemtechnischen Fragestellungen regenerativer Energiesysteme sowie auf allen Aspekten des elektrischen Energiesystems. Er ist Mitglied im Thüringer Nachhaltigkeitsbeirat sowie im Beirat für die Thüringer Energiewende.

 

 

Prof. Dr. Ing. Viktor Wesselak
Prof. Dr. Ing. Viktor Wesselak

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