Zur Hauptnavigation . Zum Seiteninhalt
Gruppenfoto des Wissenschaftlichen Beirats in der Staatskanzlei

Der Wissenschaftliche Beirat

Die Landesregierung hat in der Kabinettsitzung am 26. Mai 2020 die Einberufung eines Wissenschaftlichen Beirats mit 12 Mitgliedern zum Corona-Pandemiemanagement beschlossen. Der Beirat soll die Komplexität des Pandemiemanagements aus interdisziplinärer Perspektive erschließen und diskutieren und dabei sein Arbeitsprogramm nach den Notwendigkeiten des Pandemie- und Pandemiefolgenmanagements aufstellen.

Der Wissenschaftliche Beirat hat am 4. Juni 2020 seine Arbeit aufgenommen und tagt regelmäßig in der Gruppe und mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern.

Der Wissenschaftliche Beirat publiziert auf dieser Webseite seine Ergebnisse.

Aufgaben

Der Beirat zum SARS-2/CoVID-19-Pandemie- und Pandemiefolgenmanagement der Thüringer Landesregierung hat drei Aufgaben:

Erstens werden aktuelle Anfragen der Landesregierung, gesellschaftliche Entwicklungen und Diskussionen aufgenommen und hieraus Impulse, Fragestellungen und Konzepte (Policy Empfehlungen) in die politische Entscheidungsfindung eingebracht.

Zweitens bearbeitet der Wissenschaftliche Beirat eigenständig Themen in multidisziplinärer Perspektive und bringt sie in den politischen Diskurs ein.

Drittens wird eine Bilanz zum Pandemie- und Pandemiefolgenmanagement erarbeitet und wird der Beirat darauf aufbauend Empfehlungen für das Management ähnlich gelagerter zukünftiger Ereignisse aussprechen.

Kontakt

Geschäftsstelle des Beirates
Regierungsstraße 73
99084 Erfurt

Tel: +49 (361) 57-3215225

Beirat-Corona@tsk.thueringen.de

Publikationen

Eulengremien

  • EULENGREMIUM 1:
    Bildungssystem

    04. August 2020

    Vorab

    In dieser ersten Kurzeinschätzung beurteilt der „Wissenschaftliche Beirat des Freistaates Thüringen zum Pandemiemanagement“ wissenschaftliche Grundlagen für das Bildungssystem in der Pandemie, konkret: Schulen und Kindertagesstätten, in der neuen Methode eines „Eulengremiums“. DasEulengremium ist ein innovatives Instrument der wissenschaftlichen Politikberatung*, das den Grad der Kontroverse einer wissenschaftlichen Position in drei Stufen einteilt:

    1= Konsens
    2= Unentschieden
    3= Kontrovers

    Politische und administrative Entscheidungen, die vom wissenschaftlichen Konsens abweichen, unterliegen – z. B. im Rahmen einer vorzunehmenden Abwägung widerstreitender Rechtsgüter – erhöhten Begründungsanforderungen.

    So ist z. B. die Aussage „Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung reduziert die Weiterverbreitung des Coronavirus“ eine wissenschaftlich konsensuelle Aussage (Eulengremium 1). Wenn eine politische Entscheidung von dem wissenschaftlichen Konsens abweicht, benötigt sie eine Begründung, um diese Abweichung zu rechtfertigen.

    Die “Eulengremium-Methode” ist ein Instrument für Entscheidungssituationen mit hoher Unsicherheit bei gleichzeitig kurzfristigem Bedarf an informierten Entscheidungen zu Fragenstellungen mit gesellschaftlicher Relevanz. Sie bietet in diesen Situationen einen raschen Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Konsens zu komplexen Fragen, der politischen und administrativen Entscheidungsträgern Orientierung geben kann (siehe dazu Impulspapier 1: Eulengremium).

    In diesem Eulengremium werden Kernfragen zu acht Bereichen aus der Beratung mit dem Bildungsministerium nach bestem aktuellem Wissen multidisziplinär beantwortet und bilden den Stand von Juli 2020 ab.

    1. Testung

    Zeit
    Wie viel Zeit liegt zwischen der Testung und der Ergebnisübermittlung bei geringem/regionalem/erweitertem/landesweitem Infektionsgeschehen?

    Die Durchführung einer PCR-Testung beträgt ca. 4-6 Stunden bis zum Vorliegen eines Ergebnisses. Die Zeit von der Probennahme bis zur Ergebnismitteilung kann durch verschiedene Faktoren verlängert werden, z. B. durch Transportzeiten der Proben oder durch das Prozessieren der Information und durch die Kommunikation der Behörden.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Testkapazität
    Welche Testkapazitäten stehen dem Freistaat Thüringen zur Verfügung?

    30.000/ Woche (1. Testkonzept, Stand Juni 2020);
    33.000/ Woche  (2. Testkonzept, Stand Juli 2020)

    Wie viele Testauswertungen sind pro Tag möglich?

    In Abhängigkeit von der Region: 4.200-4.700

    Wie werden die Pooltestungen umgesetzt?

    Geplant im Frühwarnsystem (s. unten)
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Warn-App
    Kann die Corona-App eine sinnvolle (freiwillige) Ergänzung sein?

    Ja.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    2. Infektiologie und Hygiene

    Kontagiösität von Kindern
    Wie ist der aktuelle wissenschaftliche Stand (Juli 2020) zu Kindern als Infektionsträgern bzw. -überträgern?

    Kinder unter 10 Jahren sind vermutlich weniger infektiös als Erwachsene, Kinder ab 10 Jahre sind vermutlich genauso infektiös wie Erwachsene. Die Datenlage dazu ist dünn.
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    Altersgruppen
    Können Abstufungen nach dem Alter der Kinder vorgenommen werden (etwa bis 6, bis 12, bis 18 Jahre)?

    Es gibt Hinweise, dass zwischen Kindern unter und über 10 Jahren unterschieden werden kann. Die Datenlage dazu ist dünn.
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    Schutzmaßnahmen in der Schule
    Ist bekannt, welche Schutzmaßnahmen wie wirksam sind?Ist erwiesen, dass das Infektionsrisiko bei Kontaktvermeidung / Maskennutzung / Händewaschen... merklich sinkt?

    Ja, Kontaktvermeidung und Abstandsregeln, das Tragen eines Mundnasenschutzes (MNS) sowie regelmäßige Händehygiene sind die Grundtechniken des Infektionsschutzes.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Das Maskentragen bei Kindern unter zwei Jahren wird nicht empfohlen.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Das Maskentragen von Kindern über zehn Jahre wird empfohlen.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Für das Maskentragen von Kindern zwischen zwei und zehn Jahren gibt es große Unsicherheit.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Zur Beurteilung, ob Maskentragen im Unterricht sinnvoll ist, findet gerade eine Bewertung aus unterschiedlichen Disziplinen (Pädagogik, Psychologie, Virologie, Public Health, u.a.) statt.
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    Ist das Fiebermessen beim Betreten der Schul- bzw. Kindertagesstätten und ggf. die Isolation von fiebrigen Kindern eine sinnvolle Präventionsmaßnahme?

    Generell sind die genannten Maßnahmen sinnvolle Präventionsmaßnahmen zur Infektionsvermeidung bei kranken Kindern, nicht aber speziell für Coronavirus-Erkrankungen, weil Kinder ansteckend sein können, bevor sie Symptome entwickeln.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Wann und weshalb ist es sinnvoll, dass Schule und Kindertagesstätten auf allgemeine, regional steigende Infektionszahlen mit mehr Kontaktvermeidung reagieren?

    Schulschließungen sind temporär sinnvoll, wenn es in der Umgebung der Schule (Stadt, Stadtteil, Klasse) ein so dynamisches Infektionsgeschehen gibt, dass Infektionsverläufe nicht mehr nachverfolgt werden kann.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Wie ist auf Verdachtsfälle zu reagieren - sollte man sie registrieren?

    Begründete Verdachtsfälle betreffen Personen, die typische Symptome haben oder die Kontakt mit einem typisch oder positiv getesteten Erkrankten hatten. Begründete Verdachtsfälle sollten getestet werden. Das Gesundheitsamt registriert im Rahmen der Kontaktnachverfolgung diese Personen.
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    Wann bzw. bei welcher Art und welchem Ausmaß von Infektionsgeschehen benötigen Menschen mit Risikomerkmalen besonderen Schutz?

    Menschen mit Risikomerkmalen benötigen besonderen Schutz, wenn sie in einer Umgebung sind, in der ein aktives, kontinuierliches (nicht nur sporadisches) Infektionsgeschehen stattfindet ohne epidemiologischen Zusammenhang (z. B. durch nachvollziehbaren Kontakt) und  die Nachverfolgungskompetenz der örtlichen Behörden überschritten ist.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Wie können Personen mit besonderen Risikomerkmale bei aktiven, kontinuierlichen Infektionsgeschehen geschützt werden?

    Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: entweder zieht sich die Person mit besonderen Risikomerkmalen aus dem sozialen Leben zurück („shieldung“) oder die Gesellschaft richtet für Menschen mit besonderen Risikomerkmalen geschützte Räume ein („cocooning“), z. B. gesonderte Einkaufszeiten. Die Datenlage zu einem Vergleich dieser beiden Strategien (shieldung vs. cocooning) ist noch dünn.
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    Wie kann das individuelle Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf evaluiert werden?

    Derzeit kann das individuelle Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf nur phänotypisch (alt, männlich, Übergewicht, Diabetes = wie bei Herzinfarktrisiko) ermittelt werden.
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    3. Pädagogik

    Fällt jüngeren Kindern das Lernen in der Distanz schwerer als älteren?

    Ja, aus entwicklungspsychologischer Sicht fällt es jüngeren Kindern auf Grund der kognitiven Entwicklung etwas schwerer, aus der Distanz zu lernen, da höhere Abstraktion notwendig ist. Für jüngere Kinder sind die emotionale Zuwendung und die unmittelbare Begleitung wichtige motivierende Faktoren. Zugleich ist davon auszugehen, dass erfolgreiches Distanzlernen nicht nur vom Alter abhängt, sondern ebenso von den medialen Vorerfahrungen in Schule und Familie, der Digitalkompetenz des Kindes, der Aufgabenstellung und ihrer Einbettung in direkte Lernformate sowie der digitalen Präsenz der Lehrkraft. Entscheidend ist, dass bei jüngeren Kindern das Distanzlernen durch die Eltern organisiert werden muss. Aktuelle Studien zeigen, dass insbesondere Eltern mit jüngeren Kindern stark belastet sind und Homeschooling eine große Herausforderung darstellt.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Lässt sich feststellen, dass Präsenzunterricht besonders sinnvoll zur Prüfungsvorbereitung ist?

    Hierzu sind keine Studien bekannt. Es ist anzunehmen, dass dies von ähnlichen Faktoren abhängt wie beim Distanzlernen im Allgemeinen. Wichtig für die Lernmotivation ist regelmäßiges Feedback, insbesondere, wenn über Distanz gelernt wird.
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    Verschärft das Distanzlernen die Abstände zwischen Kindern mit guten und schwierigen Lernbedingungen und -voraussetzungen?

    Ja, denn Kinder und Jugendliche aus Elternhäusern mit niedrigem Anregungsniveau profitieren von stärker strukturierten und angeleiteten Lernformaten.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Welche Kompetenzen können die Schülerinnen und Schüler gut im Distanzlernen erwerben?

    Die Kompetenzen, welche Schülerinnen und Schüler im Distanzlernen gut erwerben, sind abhängig von der gewählten Methode und der Didaktik; zentraler ist jedoch die Frage nach anderen Faktoren, wie die digitale Vorbildung, der Zugang zur Technik und zu Ressourcen. Zusätzlich scheint es Geschlechtereffekte zu geben: Jungen nehmen weniger an digitaler sozialer Interaktion teil (und sind auch weniger involviert in Social Media), erledigen aber dennoch die Aufgaben, insbesondere in (virtuellen) Kleingruppen (hands-on-tasks). Wichtig erscheint also, dass die Lehrerinnen und Lehrer Methodenvielfalt zeigen, auch beim digitalen Lernen!
    Eulengremium-Einschätzung: 2 (=Unentschieden)

    Welche Kompetenzen des Lehrpersonals sind für das Distanzlernen besonders wichtig?

    Studien deuten darauf hin, dass insbesondere soziale Fertigkeiten wie Kommunikationsfähigkeit und Empathie wichtig sind. Regelmäßiges Feedback zum Lernstand und den erledigten Aufgaben ist essentiell. Dies legen auch Rückmeldungen der Eltern nahe. Gleichzeitig sollten die Lehrenden der Überzeugung sein, dass Distanzlernen effektiv sein kann; die eigene Einstellung überträgt sich auf den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Risikogruppen
    Wie geht man mit Lehrern um, die aufgrund ihres Alters zu einer Risikogruppe gehören, denen Distanzunterricht empfohlen wird, diese allerdings gleichzeitig Schwierigkeiten, ggf. auch Ängste bzgl. der Digitalen Lehre haben? 

    Ängste entstehen nicht direkt durch eine Situation, sondern über ihre subjektive Bewertung; insbesondere, wenn die Situation als negativ, unkontrollierbar und unsicher angesehen wird.

    Wir können die Pandemie nicht ändern, aber die Dinge, die damit zu tun haben, ergo: Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern soll die Lage so transparent wie möglich gemacht werden, Informationen müssen leicht zugänglich und Prozesse nachvollziehbar gestaltet sein. Konkret helfen FAQs, Flyer, aktualisierte Webseiten, Hotlines etc. Wichtig sind einheitliche Regelungen. Ein Frühwarnsystem als „Bewegungsmelder“ für Infektionsraten (siehe „Impulspapier Frühwarnsystem“) hilft, die Infektionslast zu erkennen. Es wird empfohlen, Hygienekonzepte mit eingängigen Formeln zu kommunizieren (z.B. AHA) und Aufgaben zu erteilen, so dass Selbstwirksamkeit (ich kann etwas tun, bin nicht hilflos) erlebt wird.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Interventions- und Eskalationskonzepte für die Pädagogik
    Welches sind aus pädagogischer Sicht Mindeststandards an die digitale Lehre, die bei einer On-Off-Regelung (z. B. lokalen Lockdowns oder 2. Welle) eingehalten werden sollten?

    Gute Kommunikation und kontinuierliches Feedback scheinen die wichtigsten Faktoren zu sein. Die Lehrerkräfte sollten verpflichtend angehalten werden, mindestens einmal wöchentlich den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern über Telekommunikation (individuell oder als Klasse) zu suchen. Neuer Lernstoff sollte gemeinsam besprochen werden und in regelmäßigen Abständen ein Feedback zu den erledigten Aufgaben erfolgen. Studien zeigen, dass andernfalls die Lernmotivation und somit auch die Leistungsfähigkeit (Noten) stark abfallen.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    4. Risikokommunikation

    Wie kann Ängsten bei Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern begegnet werden?

    Den Ängste der Betroffenen sollte mit guter Risikokommunikation begegnet werden. Siehe oben: Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern sollte die Lage so transparent wie möglich kommuniziert werden. Informationen müssen leicht zugänglich sein und Prozesse nachvollziehbar gestaltet. Konkret helfen FAQs, Flyer, aktualisierte Webseiten, Hotlines etc. Wichtig sind einheitliche Regelungen!
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Welche Informationen benötigt das pädagogische Personal?

    Schulleitungen besitzen großen Einfluss auf Interventionen innerhalb von Schulen; so sollte über partizipative Ansätze zunächst innerhalb der Schulen, dann innerhalb einer Konferenz der Schulleiterinnen und Schulleiter geklärt werden, welche Fragen bei den Lehrkräften in Thüringen bestehen.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Wie wichtig ist es für deren Akzeptanz, dass die für Kindertagesstätten und Schulen getroffenen Maßnahmen im Einklang mit den allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmen stehen?

    Wichtig für die Akzeptanz der für Kindertagesstätten und Schulen getroffenen Maßnahmen ist eine konsistente und klar kommunizierte Strategie. Es geht hier um die Kommunikation sozialer Normen. Regelungen erfüllen das Bedürfnis nach Informiertheit. Immer wenn es Abweichungen gibt, müssen diese sehr gut begründet werden.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Welche Formen der Begleitung für Schulen werden empfohlen?

    Wir empfehlen ein stärkeres Einbinden der Einrichtungs- bzw. Schulleitungen. Die Leitung gestaltet und startet die notwendigen Prozesse, begegnet Widerständen und unterstützt die Pädagoginnen und Pädagogen, neue Methoden anzuwenden. Hierzu benötigt man auch eine schul- bzw. einrichtungsspezifische Gesamtstrategie, die sich den Entwicklungen der Pandemie flexibel anpassen kann. Die Strategie sollte partizipativ entworfen werden. Es hat sich gezeigt, dass eine starke Führungsebene in der Lage ist, ein Gefühl der Gemeinsamkeit und gemeinsamen Wirksamkeit zu generieren, so dass soziales Handeln allen zugutekommt.

    Mit anderen Worten: Pädagoginnen und Pädagogen sollen von über Einrichtungs- bzw. Schulleitungen  überzeugt werden; denn, wenn diese nicht überzeugt sind, dass Bildung so funktioniert, dann funktioniert sie auch nicht.

    Insgesamt sollten funktionierende Konzepte und Materialien stärker innerhalb und zwischen Kindertageseinrichtungen bzw. Schulen geteilt werden.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    5. Digitalisierung

    Welche Rolle spielt die technische Infrastruktur bei einem Konzept zu den Interventionsstufen im Schulbetrieb bei einem Corona-Ausbruchgeschehen?

    Die technische Infrastruktur stellt eine wichtige Voraussetzung dar, um ein gestuftes Konzept, das je nach Infektionsgeschehen einen flexiblen Wechsel von Präsenz- und Online-Phasen zum Inhalt hat, erfolgreich zu implementieren.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Welche sind die wichtigsten Maßnahmen für eine effiziente und effektive Umsetzung von Online-Lernkonzepten (Fokus: Home-Schooling)?"

    Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen (sortiert):

    1. eine Strategie, wie – und eine Konkretisierung, was – die Digitalisierung zur Schul- und Unterrichtsentwicklung beitragen kann und soll,
    2. Weiterbildung und Kompetenzentwicklung bei der Umsetzung digitaler Lernkonzepte; das betrifft sowohl didaktische Konzepte, die technische Vielseitigkeit und datenschutzrechtliche Aspekte (Stichwort: DSGVO),
    3. die Festlegung von Standards bei Lernplattformen bzgl. Basisfunktionen, um Lernplattformen vergleichbar zu machen und um das Potenzial der verschiedenen existierenden Plattformentwicklungen auszunutzen und wieder zu kanalisieren, sowie
    4. der Ausbau der technischen Infrastruktur mit dem Schwerpunkt auf Netze (leitungsgebunden und funkbasiert)

    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    In welcher Reihenfolge (Priorität) und mit welchem Zeithorizont sollen diese Maßnahmen umgesetzt werden?

    Die Umsetzung sollte erfolgen durch

    1.   eine “faire” Bestandsaufnahme des Status quo (ohne Schuldzuweisungen; dass Deutschland große Versäumnisse hat, ist bekannt),
    2. eine Formulierung und Priorisierung von Zielen einer Digitalisierung der Schul- und Unterrichtsentwicklung hinsichtlich Schulform, Unterrichtsfach und Schulstufe,
    3. die Identifizierung und Einübung von “Basis/Minimalservices” zur schnellen Umschaltung von Präsenz- in Onlineunterricht,
    4. die Ablösung eines “undifferenzierten Digitalisierungsdrucks bzw. einer -erwartungshaltung” durch Anerkennung der Möglichkeiten und Grenzen von digitalem Unterricht – abhängig von Unterrichtsfach und Schulstufe,
    5. die Schaffung von Incentives sowohl auf Lehrkräfte- als auch Schulleitungsebene, um ausgewählte Digitalisierungsziele zu erreichen, sowie
    6. eine politische Rahmung der Digitalisierung nicht als notwendiges Übel, sondern als Chance für unsere Informationsgesellschaft.

    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    6. Ökonomie

    Hat eine längere Unterbrechung des Schulbesuchs (oder ein längerer nur eingeschränkter Schulbesuch) Auswirkungen auf den Kompetenzerwerb und somit auf das Humankapital der Schülerinnen und Schüler und ihren späteren Verdienst?

    Ja, wobei dieser Umfang individuell unterschiedlich ist und von sozio-ökonomischen Faktoren abhängt. Schulbesuch und damit einhergehend Kompetenzerwerb hat einen positiven Einfluss auf wirtschaftlichen Wohlstand. Ein eingeschränkter Schulbesuch schmälert den zukünftigen Arbeitsmarkterfolg (Erwerbseinkommen etc.).
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Hat eine längere Unterbrechung des Schulbesuchs (oder ein längerer nur eingeschränkter Schulbesuch) Auswirkungen auf die Arbeitsmarktbeteiligung der Eltern?

    Ja, es ist davon auszugehen,  dass 26% der Arbeitnehmer/innen in Deutschland Kinder bis 14 Jahre haben. Auch wenn man berücksichtigt, dass in Partnerhaushalten mit Kindern nicht beide Partner gleichzeitig für die Betreuung benötigt werden, lässt sich ableiten, dass etwa 10% der Beschäftigten von einer Kindertagesstätten- oder Schulschließung betroffen wären.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    7.Ethik

    Ausgangspunkt der ethischen Bewertung ist die Anerkennung von Menschenwürde und damit verbundenen Menschenrechten.

    Wie kann die Güterabwägung zwischen Recht auf körperliche Unversehrtheit für vulnerable Personen einerseits und Einschränkungen anderer Rechte wie das Recht auf Bildung, aber auch das Recht der Eltern, ihrer Arbeit nachgehen zu können, gelingen?

    Es handelt sich um Grundrechtekonflikte.

    Eulengremium-Einschätzung: 1 (= Konsens)

    Eine grundsätzliche Lösung des Konflikts ist im Allgemeinen nicht möglich. Beispielsweise ist es praktisch nicht möglich, gegeneinander ohne verlässliche Daten abschätzen zu können, ob es dem Lebenschutz von Bewohnern in Pflegeheimen mehr hilft, wenn sie zumindest eine vertraute Person treffen dürfen oder wenn sie davor geschützt wird, überhaupt eine Person zu treffen, die nicht für Pflege und Versorgung unabdingbar ist. Anders gewendet: Gefährdet Vereinsamung das Leben der Betreffenden mehr als die Möglichkeit sich anzustecken? Die Akzeptanz für ein „Aushalten” derartiger Konflikte kann durch glaubwürdige Kommunikation der Konfliktdauer erhöht werden.

    Eulengremium-Einschätzung: 3 (= Kontrovers)

    Nach welchen Kriterien sollten Schülerinnen und Schüler ausgewählt werden, wenn nur eine beschränkte Zahl von ihnen aufgrund von Abstandsregeln zum Präsenzunterricht zugelassen werden können?“

    Hier besteht das Grundproblem darin, dass alle Parameter Gerechtigkeitsüberlegungen implizieren. Bis auf einen Konsens zur prozeduralen Gerechtigkeit sind alle übrigen Kriterien gesellschaftlich umstritten. Welche Berufe gelten als systemrelevant? Wer gilt als sozial benachteiligt? Usw.

    Sollte es eine allgemeine Corona-App-Pflicht für Lehrende und Schülerinnen und Schüler geben, in Analogie zum Impfpflichtnachweis bei Masern in der Kita?

    Hier gibt es einen Konflikt zwischen Selbstbestimmungsrecht versus Schutzpflichten. Problem: Es könnte gerade von denjenigen missbraucht werden, die die Schulpflicht ablehnen. Ferner gibt es keine gesetzlichen Regelungen, die das Folgeverhalten absichern (z. B. Soll die Schulpflicht für diejenigen ausgesetzt werden, die eine Warnmeldung bekommen? etc.). Ferner ist eine App-Pflicht insgesamt nicht gut akzeptiert und möglicherweise auch nicht rechtskonform.

    8. Recht

    Ist die Schulpflicht in Zeiten der Corona-Pandemie eingeschränkt?

    Nein, insbesondere können Schülerinnen und Schüler – und/oder ihre Eltern – nicht nach eigener Risikobewertung entscheiden, ob sie am Präsenzunterricht teilnehmen oder nicht. Eine großzügige Handhabung durch Schule bzw. Schulverwaltung ist möglich.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Ist die Arbeitspflicht der Lehrerinnen und Lehrer in Zeiten der Corona-Pandemie eingeschränkt?

    Nein, es gibt keinen Anspruch auf einen absoluten Gesundheitsschutz. Allerdings gibt es eine Verpflichtung des Dienstherrn/Arbeitgebers zu Maßnahmen des Arbeitsschutzes, insbesondere durch Hygienevorgaben. Grundsätzlich besteht kein Anspruch auf Befreiung von der Verpflichtung zum Präsenzunterricht; lediglich in Ausnahmefällen gibt es einen Anspruch, statt Präsenzunterricht Distanzunterricht zu erteilen. Eine großzügige Handhabung durch Dienstherrn bzw. Arbeitgeber ist möglich.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

    Ist die Pflicht des Staates zur Beschulung im Präsenzunterricht in Zeiten der Corona-Pandemie eingeschränkt?

    Ja. Nach Maßgabe der staatlichen Einschätzung des Infektionsgeschehens und der Rolle der Kinder bei diesem Geschehen (Infektiösität der Kinder, Rolle der Kinder bei der Weiterverbreitung des Virus) kann ganz oder teilweise auf andere Unterrichtsformen übergegangen werden. Bei der Entscheidung darüber sind die Nachteile und Risiken ("Kollateralschäden") einer solchen Änderung zu berücksichtigen. Bei der Einschätzung des Infektionsgeschehens und der Abwägung der Entscheidungsalternativen kommt dem Entscheidungsträger ein Spielraum zu. Allerdings sind die Erfahrungen aus dem bisherigen Pandemiegeschehen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen.
    Eulengremium-Einschätzung: 1 (=Konsens)

     

    * Die Ursprünge dieser Methode beruhen auf dem Buch des Soziologien Harry Collins: „Why Democracies need Sciences“, das 2017 in Cambridge (polity Verlag) veröffentlicht wurde. Diese Grundidee wurde für die Arbeit des Wissenschaftlichen Beirats abgewandelt und zum Instrument für die Beratung formuliert. Eulengremium steht dabei sinngemäß für die Fähigkeit von Eulen bis zu 180 Grad den Kopf zu drehen und so Fragestellungen von vielen Seiten zu betrachten.

  • EULENGREMIUM 2:
    Lockdown

    Kurzeinschätzungen der Wissenschaft zur Bedeutung von Lockdowns auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene

    16. Oktober 2020

    Vorab

    In dieser zweiten Kurzeinschätzung beurteilt der Wissenschaftliche Beirat des Freistaates Thüringen zum Pandemiemanagement wissenschaftliche Grundlagen für Szenarien eines erneuten Lockdowns mit der Methode des „Eulengremiums“.

    Das Eulengremium ist ein innovatives Instrument der wissenschaftlichen Politikberatung*, das den Grad der Kontroverse einer wissenschaftlichen Position in drei Stufen enteilt:

    1 = Konsens
    2 = Unentschieden
    3 = Kontrovers

    Politische und administrative Entscheidungen, die vom wissenschaftlichen Konsens abweichen, unterliegen – z. B. im Rahmen einer vorzunehmenden Abwägung widerstreitender Rechtsgüter – erhöhten Begründungsanforderungen.

    So ist z. B. die Aussage „Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung reduziert die Weiter-verbreitung des Coronavirus“ eine wissenschaftlich konsensuelle Aussage (Eulengremium 1). Wenn eine politische Entscheidung von dem wissenschaftlichen Konsens abweicht, benötigt sie eine Begründung, um diese Abweichung zu rechtfertigen.

    Die „Eulengremium-Methode” ist ein Instrument für Entscheidungssituationen mit hoher Unsicherheit bei gleichzeitig kurzfristigem Bedarf an informierten Entscheidungen zu Fragenstellungen mit gesellschaftlicher Relevanz. Sie bietet in diesen Situationen einen raschen Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Konsens zu komplexen Fragen, der politischen und administrativen Entscheidungsträgern Orientierung geben kann (siehe dazu Impulspapier 1: Eulengremium).

    In dem vorliegenden 2. Eulengremium werden Kernfragen zu sieben Bereichen aus der Beratung mit politischen Entscheidungsträgern und innerhalb des Beirats nach bestem aktuellem Wissen multidisziplinär beantwortet; sie bilden den Stand von August 2020 ab. Eine Einschätzung zur Digitalisierung wurde bereits im ersten Eulengremium abgegeben.

    Lockdown-Begrifflichkeiten

    Der Begriff der Isolation bezieht sich auf die räumliche Separierung von infektiösen Erkrankten.

    Eine Quarantäne bezeichnet die befristete Isolierung von Personen, die möglicherweise infiziert sind.

    Ein Lockdown ist die Einschränkung des öffentlichen Lebens bis auf systemrelevante Bereiche, wie wir sie im März und April 2020 erlebt haben.

    1. Epidemiologie und Infektionsschutz

    National (Bundesgebiet)
    War der nationale Lockdown aus epidemiologischer Sicht erfolgreich?

    Eulengremium 1

    Erläuterung: Im Zuge des nationalen Lockdowns wurde das Ziel „flatten the curve“ erreicht. Nach verschiedenen Modellierungen, die unterschiedliche Länder und Regionen verglichen haben, war der Lockdown hocheffektiv und erfolgreich, insbesondere deshalb, weil er frühzeitig erfolgte. Auch die Krankheitslast durch andere respiratorische Viren (v.a. Influenza) und deren Komplikationen (Pneumonie, Sepsis, Myokardinfarkt etc.) wurde reduziert.

    Regional (Landkreis)
    Was kennzeichnet einen regionalen Lockdown?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Ein regionaler Lockdown bewirkt eine Eindämmung des Infektionsgeschehens und ermöglicht eine konzentrierte Nachverfolgung von Infizierten auch im Rahmen von Amtshilfe, wie z. B. in Gütersloh. Ein regionaler Lockdown kann die Ausweitung regionaler Hotspots effektiv eindämmen. Dies zeigt auch die „Neustadt-Studie“ (siehe S. 9). Da sich Infektionen einer Exponentialfunktion folgend ausbreiten gilt prinzipiell: Je früher ein Lockdown erfolgt, desto effektiver ist er. Eine begründende und vorbereitende Kommunikation ist essentiell.

    Lokal (Hot Spots, Gemeinschaften/Dörfer, Einrichtungen, Häuserblocks, Schlachthöfe, etc.)
    Was kennzeichnet einen lokalen Lockdown?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Ein lokaler Lockdown bewirkt eine noch stärker fokussierte Eindämmung gekoppelt mit einer konzentrierten Nachverfolgung von Infizierten. Er hat weniger nachteilige Effekte als ein regionaler Lockdown und kann, wenn er frühzeitig erfolgt, effektiver sein.

    2. Klinische Versorgung

    National
    Welche Bedeutung hatte der nationale Lockdown für die klinische Versorgung?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Der Lockdown auf nationaler Ebene hat eine Überlastung des Gesundheitssystems vermieden.

    Gleichzeitig hat er nachteilige medizinischen Begleit- und Folgeeffekte hinterlassen (bspw. die Nicht- oder Spätnutzung des Gesundheitssystems bei anderen Krankheiten, weniger Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen), die sich noch nicht quantifizieren lassen. Auffällig war ein Rückgang von Einweisungen aufgrund von Sepsis, Herzinfarkt und Schlaganfall. Inwieweit dies durch eine Reduktion der Krankheitslast und von Folgekrankheiten weiterer Atemwegsviren (z.B. Influenza), deren Übertragung durch den Lockdown ebenfalls unterbrochen wurde, bedingt war, wird derzeit untersucht.

    Regional (Landkreis)
    Wie ist ein regionaler Lockdown im Hinblick auf die klinische Versorgung zu beurteilen?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Ein regionaler Lockdown ermöglicht eine strukturierte Behandlung und Verlegung von COVID-19 Patienten. Außerdem haben betroffene Krankenhäuser die Gelegenheit, sich auf eine größere Anzahl von COVID-19-Patienten vorzubereiten. Aufgrund der Dynamik der Erkrankung ist in der Regel ca. 7-14 Tage nach Ansteckung mit einer klinischen Verschlechterung, die ggf. eine Einweisung erfordert, zu rechnen.

    Lokal (Punktbezogen/mikroräumlich: Hot Spots, Gemeinschaften/Dörfer, Einrichtungen, Häuserblock, Schlachthöfe, etc.)
    Wie ist ein lokaler Lockdown in Hinblick auf die klinische Versorgung zu beurteilen?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Ein lokaler Lockdown in Thüringen hat wenig Einfluss auf die klinische Versorgung, da die klinische Versorgung hier in flächendeckend abgestufte Behandlungs­konzepte nach Regionen organisiert wird.

    3. Psychologie

    National

    Würden Menschen einen zweiten nationalen Lockdown mittragen?

    Eulengremium2

    Erläuterung: Hierfür werden Daten aus COSMO herangezogen (www.corona-monitor.de), die eine Befragung von ca. 1000 Personen pro Woche umfasst. Im Mai dieses Jahres hielten 70 % aller Befragten eine zweite Welle für eher wahrscheinlich. Je wahrscheinlicher oder näher eine zweite Welle der Corona-Epidemie eingeschätzt wurde, desto länger würden sich Personen bei einer zweite Welle noch einmal einschränken und desto größer wäre auch die Bereitschaft, sich in den kommenden zwei Wochen häufiger an die Maßnahmen zu halten. Mit steigenden Fallzahlen stieg zwar kurzfristig auch die Risikowahrnehmung und die Akzeptanz stärker einschränkender Maßnahmen, aber inwiefern ein deutschlandweiter Lockdown erneut akzeptiert werden wird, ist aktuell unklar. Gleichzeitig ist die Akzeptanz lokaler Maßnahmen relativ hoch (siehe nächsten Punkt).

    Regional / lokal
    Würden Menschen einen zweiten regionalen Lockdown mittragen?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Bei einem Lockdown werden eher kurze und lokal beschränkte Regelungen bevorzugt. Dabei zeigen die im Rahmen von COSMO befragten Personen, die in einem aktuellen Ausbruchsgebiet wohnten, tendenziell eine größere Bereitschaft, sich wieder einzuschränken, als Personen aus Gebieten, in denen es keinen solchen größeren Ausbruch gab. Stabil seit vielen Wochen ist die Zustimmung von ca. 60 % der ca. 1000 Befragten für die Regelung, bei erhöhtem Ausbruchsgeschehen (35-50 Fälle pro 100.000 Einwohner/Landkreis) lokale Maßnahmen zu ergreifen; 70 % sind in dieser Situation bereit, sich wieder einzuschränken.

    Generell lässt sich sagen, dass kleinteilige einschränkende Lösungen vor großflächigen Lockdowns bevorzugt werden. Es sollte erwogen werden, für Gebiete mit größeren Ausbrüchen einheitliche Regelungen zu finden. Die Maßnahmen von vor dem 6.05.2020 sind gut akzeptiert und die Bevölkerung ist auch bereit, diesen Schritt erneut zu gehen, sofern die Situation dies erfordert.

    Fazit: Es existiert ein Bewusstsein dafür, dass restriktive Regeln sinnvoll sind; zudem gibt es eine hohe Bereitschaft, sich notfalls wieder einzuschränken – vor allem bei einem lokalen Ausbruchsgeschehen. Dennoch ist die Bereitschaft dazu nicht 100%, d.h., es bedarf einer transparenten Risikokommunikation, um die Akzeptanz der Maßnahmen und das Vertrauen in ihre Angemessenheit zu unterstützen. Dabei kann eine Normkommunikation hilfreich sein („Die überwiegende Mehrheit befürwortet eine solche Regel.“).

    Eine Übersicht der Studie "Welche Maßnahmen halten Sie am ehesten für angemessen?" von der Uni Erfurt

    Was lässt sich aus den lokal durchgeführten Maßnahmen in Neustadt am Rennsteig lernen?

    Eulengremium1

    Die Befragung des Dorfes Neustadt am Rennsteig, das als Ganzes unter Quarantäne stand, ergab ("Neustadt-Studie“): Die Quarantäne wurde gut akzeptiert und als sinnvoll erachtet, allerdings wurden Wünsche hinsichtlich einer besseren Kommunikation und Organisation geäußert.

    Über 83 % der Befragten wären bereit, sich notfalls wieder mindestens bis zu zwei Wochen einzuschränken. Über ein Drittel würde eine erneute Schließung von Schulen und öffentlichen Orten und Restaurants von bis zu sechs Wochen akzeptieren (noch unveröffentlicht, Stand: Juli/August 2020).

    National
    Welche weiteren Konsequenzen eines nationalen Lockdowns sind zu beachten?

    Eulengremium1

    Erläuterung:Personen mit Care-Aufgaben, wie der Betreuung von Kindern oder der Pflege von Angehörigen, sind stärker belastet (emotionale Erschöpfung) als Personen ohne solche Aufgaben; auch haben sich vermehrt Rollenkonflikte gezeigt. Insbesondere Alleinerziehenden hat der Lockdown emotional geschadet. Langfristige Folgen (Stichwort: Re-Traumatisierung) sind noch nicht erforscht.

    Hat sich die Flexibilisierung der Arbeit im Zuge der Corona-Epidemie als Vorteil erwiesen?

    Eulengremium2

    Erläuterung: Die Flexibilisierung der Arbeit wurde eher als Unterstützung angesehen, insbesondere von Männern. Bei Frauen ließ sich teils ein Rückfall in klassische Rollenstereotype und damit zusammenhängende Konflikte erkennen. Die Flexibili­sie­rung der Arbeit wird als Unterstützung angesehen und ist unproblematisch bei Personen ohne Care-Aufgaben im Vergleich zu Personen mit Care-Aufgaben wie z.B. berufstätigen Eltern. Im Homeoffice erleben Väter tendenziell weniger Rollenkonflikte als Mütter; sieempfinden die Homeoffice-Situation jedoch als eine stärkere psychische Belastung. Dies sollte von politischen Entscheidungsträgern und Arbeitgebern anerkannt und durch Maßnahmen zur Verbesserung organisatorisch unterstützt werden.

    4. Pädagogik

    Wie sind Einrichtungs- und Schulschließungen zu bewerten?

    Eulengremium2

    Erläuterung: Aus pädagogischer Sicht sind Einrichtungs- und Schulschließungen zu vermeiden bzw. hinsichtlich ihres Ausmaßes so gering wie möglich zu halten. Ziel muss es sein, die Kontinuität von Bildungsprozessen aufrecht zu halten und die sozialen Kontakte sowie das Lernen in der „Peer-Gemeinschaft“ zu ermöglichen. Dieses Ziel gilt allerdings nur so lange, wie eine angemessene Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität in der pädagogischen Arbeit sichergestellt ist.

    Welche Präferenz findet sich zu Einrichtungs- und Schulschließungen in der Bevölkerung?

    Eulengremium1

    Erläuterung: In der Bevölkerung besteht hinsichtlich Einrichtungs- und Schulschließungen keine eindeutige Präferenz- Das Schließen einer ganzen Schule, einer betroffenen Klasse oder der Ausschluss eines betroffenen Kindes mit Quarantäne der Kontaktpersonen sind gleichermaßen akzeptiert. Eltern sehen dies ähnlich wie nicht-Eltern (COSMO-Daten von Ende Juli 2020). 

    Grafik über die Studie "Welche Maßnahmen halten Sie am ehesten für angemessen?" von der Uni Erfurt
    Quelle: https://projekte.uni-erfurt.de/cosmo2020/archiv/17-01/cosmo-analysis.html

    National
    Welche Aspekte sind im Falle eines nationalen Lockdowns von Relevanz?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Ein einheitliches bzw. abgestimmtes Vorgehen bzgl. der Frage, welche Berufsgruppen systemrelevant sind und damit Anspruch auf durchgehende Notbetreuung haben, ist wichtig, um die Akzeptanz für diese Entscheidungen bei den Betroffenen zu erhöhen.

    Es sollten Forschungsvorhaben initiiert und unterstützt werden, die evaluieren, wie sich der Lockdown im Frühjahr 2020 auf Fragen des Kinderschutzes und der Bildungsgerechtigkeit ausgewirkt hat.

    Regional:
    Welche Aspekte sind bei einem regionalen Lockdown hinsichtlich des Distanzlernens zu beachten?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Das Distanzlernen sollte einheitlichen bzw. abgestimmten Qualitätsstandards folgen, um Kindern eine stabile, verlässliche Lernumgebung bereit zu stellen. Die angemessene Begleitung von Bildungsprozessen im Distanzlernen sollte keine Frage des individuellen Engagements der jeweiligen Lehrkräfte sein. Zugleich gilt es mit diesen Standards einen realistischen Rahmen der erwartbaren Lernbegleitung abzustecken, der die Kapazitäten der Lehrkräfte nicht überfordert.

    Wie ist der Kindesschutz bei einem regionalen Lockdown zu berücksichtigen?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown zu Fragen des Kinderschutzes müssen reflektiert werden, um Schwachstellen zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, die zu vermeiden helfen, dass Meldewege oder der Zugang zu Vertrauenspersonen abgeschnitten sind.

    Inwiefern sind Personen mit Benachteiligungen besonders zu berücksichtigen?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Bei der Festlegung von Regelungen muss eine besondere Berücksichtigung von Lebens-, Lern- und Arbeitssituationen von Menschen mit Behinderung sowie von Kindern und Jugendlichen, die von Bildungsbenachteiligungen betroffen sind, erfolgen, da der Erfolg einer Frühförderung oder von therapeutischen Maßnahmen von der Kontinuität abhängt. Es hat sich gezeigt, dass Kinder, die von Bildungsbenachteiligungen betroffen sind, größere Schwierigkeiten haben, eigen­motiviert und selbständig zu lernen.

    Lokal:
    Welche Aspekte spielen aus pädagogischer Sicht bei einem lokalen Lockdown eine Rolle?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Ein einheitliches bzw. abgestimmtes Vorgehen bzgl. der realisierten Maßnahmen ( Betreuungszeiten, Gestaltung des Kontaktes und der Bildungsangebote auf Distanz) ermöglicht es, Irritationen, Unsicherheiten und Ärger zu vermeiden, die unterschiedliche Umsetzungsweisen von Einrichtungsschließungen und -öffnungen bei den Betroffenen verursachen.

    Die Aufrechterhaltung von Zugängen, z. B. zu therapeutischen Maßnahmen, Förder- und Regelangeboten für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen muss gewährleistet werden.

    5. Risikokommunikation

    Lassen sich unterschiedliche Kriterien der Risikokommunikation für nationale, regionale und lokale Lockdowns formulieren?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Kriterien, die den politischen Entscheidungen zugrunde liegen, sollten in einer sichtbaren und anschaulichen Weise kommuniziert werden. Hierzu gehören insbesondere die gesellschaftlichen und politischen Abwägungsprozesse, also die Fragen, welche Maßnahmen der Eindämmung des Infektionsgeschehens (z.B. Maske tragen) Eingriffe in das Öffentliche Leben (z.B. einkaufen nur mit Maske) und die Freiheit des Einzelnen rechtfertigen. Wichtig ist hierbei zu betonen, dass es in der Pandemie keine Risikoeinschätzung gibt, die nur individuell ist, sondern dass Maßnahmen und Verhalten, die Individuen zeigen, gleichzeitig die Risikosituation der Gemeinschaft begründen. Dies erfordert ein grundlegend anderes Narrativ in der Kommunikation (siehe dazu Impulspapier 7 des Wissenschaftlichen Beirats).

    Können neue soziale Normen durch Risikokommunikation aufgestellt werden?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Soziale Normen etablieren sich langsam. Je mehr Menschen sich an bestimmte soziale Normen halten, desto eher nehmen andere dieses Verhalten als „das richtig Verhalten“ wahr.

    Wie sind Empfehlungen für freiwilliges Einschränken von Verhalten zur Pandemie-Eindämmung zu bewerten?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Verhaltensveränderungen, die zeitnah umgesetzt werden müssen, sollten über eine Regulierung erzielt werden; Empfehlungen werden als weniger effektiv wahrgenommen.

    6. Ökonomie

    National
    Welche ökonomischen Folgen lassen sich  abschätzen?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Auch wenn es in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern keinen vollständigen nationalen Lockdown gab, so hat die starke Einschränkung der wirtschaftlichen Aktivitäten im 2. Quartal 2020 zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) geführt, der für das Jahr 2020 auf mehr als 6 % geschätzt wird. Bereits für das 3. Quartal 2020 wird von einer Erholung ausgegangen.  Aber erst frühestens für 2022 wird erwartet, dass das BIP des Vor-Pandemie-Niveaus erreicht wird. Um die Konjunktur zu stützen, sind auf Bundes- und Länderebene umfangreiche kreditfinanzierte Konjunkturprogramme verabschiedet worden.

    Regional / lokal
    Wie ist die Fähigkeit zur Reaktion zur sozioökonomischen Erholung von lokalen/ regionalen Lockdowns ausgeprägt?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Die Fähigkeit ist unterschiedlich ausgeprägt. Bei der Vorbereitung regionaler Lockdowns ist zu beachten, dass regionale Unterschiede existieren hinsichtlich

    • der Möglichkeiten, Patienten passend zu versorgen,
    • der Möglichkeiten, mit den Folgen von Schulschließungen umzugehen (bspw. aufgrund unterschiedlicher Vereinbarkeiten von Beruf und Familie),
    • von Arbeitsmarkt- und Unternehmensstrukturen,
    • der Möglichkeit, "Fernarbeit" (Digitalisierung) zu realisieren,
    • der Möglichkeit, Maßnahmen umzusetzen.

    Um diesen Unterschieden zu begegnen, sollten systematisch sowohl die Infektionsseite als auch die Reaktionsseite  beachtet werden, da Covid-19 das Risiko birgt, zu einer Verfestigung bzw. schlimmstenfalls zu einer Verstärkung sozialräumlicher Disparitäten und damit zu einer verstärkten Polarisierung unserer Gesellschaft beizutragen.

    Es sollte darauf geachtet werden, dass aufgrund ungünstiger Anreizstrukturen (a) die Verantwortung für die Entscheidungsfindung über lokale/regionale Lockdowns möglichst nicht „nach unten“ delegiert wird  und (b) der Bevölkerung gegenüber transparent kommuniziert wird.

    Können Lockdowns bestehende sozialräumliche Disparitäten verstärken?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Kurzfristig scheint dies eher unwahrscheinlich; im Fall längerer Lockdowns ist dies aber zu bejahen, z. B. infolge von Lockdown-bedingten Unternehmensschließungen in einer bestimmten Region. Das Beispiel Gütersloh vermittelt den Eindruck, dass ein Risiko besteht, dass selbst kurzfristige Maßnahmen das Gefühl aufkommen lassen können, stigmatisiert bzw. abgehängt zu sein. Im ungünstigsten Fall kann dies zur Verstärkung politischer Radikalisierungen beitragen.

    Ist bekannt, welche Einrichtungen in besonderer Weise zur Verbreitung von Covid-19 beitragen?

    Eulengremium 1

    Erläuterung: Die betreffenden Orte als solche sind bislang nur bedingt bekannt (z. B. Schlachthöfe), hier besteht folglich erheblicher Forschungsbedarf, bspw. hinsichtlich des Einflusses von Dialyse-Praxen oder Orten von Massenveranstaltungen.

    7. Recht

    National
    Wie würden die Gerichte einen erneuten nationalen Lockdown beurteilen?

    Eulengremium1

    Erläuterung: Bei einem erneuten Lockdown könnten die Gerichte der Exekutive möglicherweise einen geringeren Spielraum belassen, als beim ersten Lockdown. Sie würden von der Exekutive vermutlich eine Darlegung darüber erwarten, dass man die Erfahrungen – insbesondere zu "Kollateralschäden" – aus dem ersten Lockdown ebenso in die Entscheidung einbezogen hat wie neuere wissenschaftliche Erkenntnisse z. B. zu Infektionswegen. Die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen wäre im Hinblick auf die beim ersten Lockdown sichtbar gewordenen Kollateralschäden zu begründen.

    Regional / lokal
    Ist eine andere Beurteilung bei einem regionalen bzw. lokalen Lockdown zu erwarten?

    Eulengremium1

    Erläuterungen: Die Kriterien für die rechtliche Beurteilung eines regionalen oder lokalen Lockdowns sind die gleichen wie bei einem nationalen Lockdown. Die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen ist jedoch wegen der geographischen Begrenztheit leichter begründbar.


    * Die Ursprünge dieser Methode beruhen auf dem Buch “Why Democracies need Sciences“ des Soziologien Harry Collins, das 2017 in Cambridge (polity Verlag) veröffentlicht wurde. Diese Grundidee wurde für die Arbeit des Wissenschaftlichen Beirats angepasst und zum Instrument für die Beratung formuliert. Der Begriff „Eulengremium“ leitet sich von der Fähigkeit der Eulen ab, ihren Kopf um bis zu 270 Grad drehen zu können und steht als Metapher dafür, Fragestellungen von vielen Seiten betrachten zu können.

Impulspapiere

  • IMPULSPAPIER 1:
    Eulengremium

    06. August 2020

    Ausgangssituation. Extremsituationen wie die Coronavirus-Pandemie sind bei politischen Entscheidungsträgern durch große Unsicherheiten und durch einen hohen Druck, weitreichende Entscheidungen, die unter Umständen größere Teile der Gesellschaft erheblich beeinträchtigen, kurzfristig treffen zu müssen, gekennzeichnet. In solchen Situationen unterliegen politische und administrative Entscheidungen, die vom wissenschaftlichen Konsens abweichen, – z. B. im Rahmen einer vorzunehmenden Abwägung widerstreitender Rechtsgüter – erhöhten Begründungsanforderungen. 

    Gewünschte Situation. Erwünscht ist in derartigen Situationen eine verlässliche Beurteilung des Standes der wissenschaftlichen Debatte zu ausgewählten Fragestellungen, die politischen Handlungsträgern Orientierung in Bezug auf das kurzfristige Treffen weitreichender, ggf. auch unpopulärer Maßnahmen geben kann.

    Intervention. Zur Erreichung dieser Situation kann die innovative Methode des "Eulengremiums" als neuem Instrument der wissenschaftlichen Politikberatung* genutzt werden.

    Ein Eulengremium sieht die Bewertung des Grades der Kontroverse einer wissenschaftlichen Position auf einer Skala von 1 bis 3 und eine schriftliche Erläuterung dieser Einschätzung vor. Dabei bedeutet 1 „Konsens“, 2 „Unentschieden“ und 3 „Kontroverse“. Die Aussage „Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung reduziert die Weiterverbreitung des Coronavirus‘ “ ist beispielsweise eine wissenschaftlich unumstrittene Aussage; das Eulengremium bewertet den Grad der Kontroverse, mit der diese Frage behandelt wird, entsprechend mit 1. 

    Politischen Entscheidungsträgern kann mit Hilfe des Eulengremiums rasch verdeutlicht werden, welche Entscheidungen ggf. vom wissenschaftlichen Konsens abweichen und daher einer ausführlicheren Begründung bedürfen.

    Ein Eulengremium ersetzt nicht die wissenschaftliche Arbeit zur Evidenzsicherung von Forschung – es bietet aber eine schnelle Übersicht über den Grad der Kontroverse zur Orientierung für politische Entscheidungen.

     

    * Die Ursprünge dieser Methode beruhen auf dem Buch des Soziologen Harry Collins: „Why Democracies need Sciences“, das 2017 in Cambridge (polity Verlag) veröffentlicht wurde. Diese Grundidee wurde für die Arbeit des Wissenschaftlichen Beirats abgewandelt und zum Instrument für die Beratung formuliert. Der Begriff des Eulengremiums orientiert sich an der Fähigkeit von Eulen, die bis zu 180 Grad den Kopf drehen können. Dies ermöglicht – im übertragenden Sinne – eine Fragestellung systematisch von vielen Seiten zu beurteilen.  

  • IMPULSPAPIER 2:
    Frühwarnsystem

    06. August 2020

    Ausgangssituation. Das Infektionsgeschehen wird erst sichtbar, wenn Erkrankte in Praxen oder in Krankenhäuser kommen und im Rahmen der Kontaktnachverfolgung weitere Infektionen erkannt werden. Es gibt bisher keine Strategie, die symptomlosen Infektionsträger die symptomlosen Infektionsträger zu identifizieren und es damit zu ermöglichen, Infektionsherde früh zu sehen und schnell einzudämmen.

    Gewünschte Situation. Eine systematische und frühe Erkennung von symptomlosen Infektionsträgern.

    Intervention. Es wird ein Frühwarnsystem vorgeschlagen, das im Sinne eines „Bewegungsmelders“ für Infektionsraten strategisch an drei sensiblen Orten symptomlose Infektionen registrieren kann.

    1. Kindertagesstääten/Schulen,
    2. Pflegeheime und
    3.  Superspreading-Events (z.B.  Chorproben, Gottesdienste, größere Familienfeiern in geschlossenen Räumen, Arbeiten in klimatisch und sozial prekären Verhältnissen wie Schlachthöfen, Vertriebshäusern, etc.).

    An diesen drei „Orten“* werden regelmäßig (z.B. wöchentlich) biostatisch sinnvolle Mengen an Proben (Rachen- oder Mundspülwasser) genommen (z.B. 1200 Proben/100.000 Einwohner), die gepoolt werden (z.B. 10er Pools), um die Testkapazitäten (PCR-Testung auf eine akute Infektion) effektiv und Ressourcen schonend zu nutzen. Mit diesen Angaben zur Anzahl der Testungen und den positiven Ergebnissen kann man sowohl früh einen Anstieg von Infektionsraten (Bewegungsmelder) erkennen und Infektionen schnell eindämmen, als auch einen biostatisch sinnvollen Wert über symptomfreie Infektionen gewinnen.

     

    *„Ort“ meint einen systematischen Ort in Gesellschaften, z.B. Teilnahme in Superspreading-Events.

  • IMPULSPAPIER 3:
    Risikoatlas

    06. August 2020

    Corona Risikoatlas Thüringen

    Ausgangssituation. Aktuell ist unbekannt, welche Teilräume (z. B. Landkreise und kreisfreie Städte) in Thüringen einem besonderen Risiko ausgesetzt sind, sich künftig zu Coronavirus-Clustern zu entwickeln, die lokale Lock-Down-Maßnahmen begrenzter Dauer erfordern. Ebenso ist unklar, wie die Kapazitäten dieser Teilräume ausgeprägt sind, Mechanismen zur erfolgreichen Bewältigung von Infektionsausbrüchen und Lock-Down-Maßnahmen zu ergreifen. Gleichzeitig lassen Analysen aus verschiedenen Disziplinen und in unterschiedlichen Ländern darauf schließen, dass bestimmte Räume nicht nur in besonderer Weise gefährdet sind, sich zu Coronavirus-Hotspots zu entwickeln (z. B. Schlachthöfe), sondern auch unterschiedlich ausgeprägte Resilienzen und Ressourcen im Hinblick auf die Bewältigung des Ausbruchs und der sozio-ökonomischen Folgen örtlich beschränkter Lock-Downs aufweisen.

    Gewünschte Situation. Wünschenswert ist eine Situation, in der größtmögliche Transparenz über die aktuelle Gefährdungslage von Regionen und deren Kapazitäten besteht, auf Infektionsausbrüche und potenzielle Lock-Down-Maßnahmen kurzfristig reagieren zu können. Eine solche Kenntnis von potenziellen Risiken und Reaktionskapazitäten gestattet es, im Falle eines lokalen Coronavirus-Ausbruchs gezielte Maßnahmen zur raschen Beilegung dieses Ausbruchs und der zeitlich und örtlich begrenzten Corona-Krise zu ergreifen. Gleichzeitig geben die identifizierten regionalen Unterschiede der Reaktionskapazitäten im Zusammenhang mit der identifizierten Risikosituation einen Hinweis darauf, an welchen Stellen die Kapazitäten im Vorfeld einer möglichen Krise verbessert werden sollten. 

    Intervention. Vor diesem Hintergrund schlägt der Wissenschaftliche Beirat vor, auf Basis vorliegender Studien wichtige Einflussfaktoren auf Coronavirus-Infektionen und Ausbreitungsmuster systematisch herauszuarbeiten, in eine Rangfolge zu bringen und die Verteilung dieser Einflussfaktoren in einem zweiten Schritt für verschiedene Thüringer Teilräume festzustellen. Hierbei soll das Risiko einer Region, einen Coronavirus-Ausbruch und potenziellen Lock-Down zu erfahren, über die Bildung eines synthetischen Index („Risikoindex“) graduell abgestuft werden (z. B. Hochrisikoräume, Risikoräume, "Normalräume"). Ferner wird vorgeschlagen, Indikatoren zu entwickeln, die Rückschlüsse auf die Kapazität eines Teilraums zulassen bzw. auf deren Grundlage es möglich ist, kurzfristig geeignete Maßnahmen zur Bewältigung eines möglichen Coronavirus-Ausbruchs und eine Ausbruch bedingten Lock-Down zu ergreifen. Auf Basis solcher Indikatoren gilt es ebenso, einen nach Dauer des zu erwartenden Ausbruchs und eines Lock-Downs differenzierten „Reaktionsindex“ zu erstellen und die räumliche Verteilung der diesem Index zugrundeliegenden Variablen anschließend für die Teilräume Thüringens zu ermitteln. Durch den Vergleich von Risikoindex und Reaktionsindex wird es möglich, diejenigen Räume schneller zu identifizieren, die Schwachstellen hinsichtlich ihrer Fähigkeit aufweisen, auf einen Coronavirus-Ausbruch und einen Lock-Down zu reagieren. Ferner wird vorgeschlagen, die Indizes mittels Geoinfinformationssystemen in einem Coronavirus-Risiko-Atlas für Thüringen zu veranschaulichen.

     

  • Impulspapier 4:
    Pädagogischer Score – Impulse zum Diskurs über das öffentliche Leben in der Pandemie

    25. August 2020

    Ausgangssituation:

    Im neuen Schuljahr sind Schulen und Kindertageseinrichtungen in den Vollbetrieb zurückgekehrt. Dies ist solange möglich, wie es das Infektionsgeschehen zulässt. Ein erhöhtes lokales bzw. einrichtungsbezogenes Infektionsgeschehen kann jedoch dazu führen, dass Einrichtungen schnell wieder teilweise oder ganz geschlossen werden müssen. Das Betreuungsangebot muss dann erneut reduziert werden, möglicherweise bis auf ein unerlässliches Minimum, die sog. Notbetreuung. Damit  kann schulisches Lernen nur noch im Präsenz-Distanz-Wechsel oder ausschließlich auf Distanz stattfinden. Denkbar sind sowohl kurze Schließungen zur schnellen Eindämmung von lokalen Ausbrüchen, als auch längere Schließzeiten, wenn das Infektionsgeschehen anhaltend hoch bleibt. Diese Perspektive lässt Eltern und Kinder in einem hohen Maß in Unsicherheit, insbesondere, wenn mit einem erneuten Wegfall des kontinuierlichen betreuten Bildungsangebots sowie der außerhäuslichen Betreuung besondere psycho-soziale, gesundheitliche, bildungsbezogene oder materielle Belastungen verbunden sind.

    Gewünschte Situation:

    Sollte der Vollbetrieb in Kindertagesstätten und Schulen temporär nicht mehr möglich sein, sind neben der sog. Notbetreuung und der Angebote von Kitas auch die Verfahren des Präsenz- bzw. Distanzlernens in Schulen zu klären. Wenngleich die benannten Unsicherheiten nicht aufgehoben werden können, sollten die Kriterien für die Notbetreuung und schulische Präsenz- bzw. Distanzlerngruppen vorab transparent gemacht und einheitlich gestaltet werden, um so für alle Familien die Unsicherheiten auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Familien und Kinder, für die der Wegfall außerhäuslicher Betreuung eine besondere Härte darstellt, brauchen eine verlässliche Perspektive, wie sie im Modus der Notbetreuung Unterstützung erfahren können. Die erste Welle der SARS-CoV-2-Pandemie hat gezeigt, dass es im Interesse des Wohlergehens der Kinder ist, bei der Konzeptionierung der Notbetreuung nicht allein gesellschaftliche Bedarfe (im Sinne des Erhalts der Arbeitsfähigkeit von Personen, die in systemrelevanten Berufen tätig sind) zu fokussieren, sondern auch familien- und kindsbezogene Aspekte zu berücksichtigen.

    Intervention:

     Vorgeschlagen wird die systematische Entwicklung eines Kriterienkatalogs zur Bestimmung von Familien, für die der Wegfall des kontinuierlichen und betreuten Bildungsangebots und der außerhäuslichen Betreuung eine besondere Härte darstellt. Dabei ist sowohl die Perspektive der Kinder als auch die der Eltern zu berücksichtigen. Um die allgemeine Akzeptanz der damit verbundenen Entscheidungen zu erhöhen, bedarf es der empirischen Begründung und transparenten Kommunikation dieser Kriterien. Zugleich sind die Kriterien abzuwägen mit der Anforderung, das Infektionsgeschehen durch eine deutliche Reduzierung der Anzahl der in den Einrichtungen anwesenden Personen sicherzustellen. Der regelmäßige Kontakt der Familien mit den pädagogischen Akteuren der Schulen, Kitas oder der Kinder- und Jugendhilfe muss auch bei einer zeitweisen Schließung der Einrichtungen gewährleistet werden.

    Zu den kindsbezogenen Faktoren, die bezüglich des Bedarfs außerfamiliärer Bildung, Erziehung und Betreuung relevant sind, zählen:

    • Selbsteinschätzung der Schüler*innen zum Unterstützungsbedarf
    • Festgestellte kognitive Entwicklungsstufe
    • Besondere Förderbedarfe und erhöhte Vulnerabilität (Liegt eine Behinderung vor? Sprachkompetenz? Schul-/Kitabesuch im Interesse des Kindeswohls?)
    • Individuelles Lernverhalten (Wie hoch ist der Bedarf an methodischer Strukturierung und Instruktion?)
    • Bildungsbezogene Lebensphase (Befindet sich das Kind in der Phase eines Bildungsübergangs?)

    Zu den familienbezogenen Faktoren, die bezüglich des Bedarfs außerfamiliärer Bildung, Erziehung und Betreuung relevant sind, zählen:

    • Häusliches Anregungsniveau
    • Berufliche Einbindung der Eltern
    • Betreuungssituation (z. B. Alleinerziehende)
    • Anzahl der Kinder in der Familie
    • Räumliche und technische Ressourcen
    • Selbsteinschätzung der familiären Belastung

    Diese Aspekte sollten von den politischen Entscheidungsträgern aufgenommen und in Kooperation mit den relevanten Wissenschaften zu einem validen Score entwickelt werden, der als Basis für Entscheidungen und zur Kommunikation genutzt werden kann.

  • Impulspapier 5:
    Pandemiemanagement in Schulen und Kindertageseinrichtungen

    27. September 2020

    Ausgangssituation:

    In den zurückliegenden Monaten wurde das Infektionsgeschehen an getesteten Personen nach epidemiologischen Maßstäben klassifiziert. Die Beurteilung zur Gefährdung einer Region erfolgte nach zwei Cut-off-Kriterien, die der sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner*innen zugrunde liegen: Bei 35 Neuinfizierten in den letzten sieben Tagen sollte die Region beobachtet werden; ab 50 Neuinfizierten wurde die Region zum Hotspot erklärt, in dem verschärfte Maßnahmen zum Infektionsschutz angeordnet werden konnten. Mit dieser „Handlungsanweisung“ konnten die Träger von Schulen und Kitas allerdings kaum rationale Entscheidungen treffen, wie sie verfahren sollten. Der bisherige Pandemieverlauf hat außerdem Defizite in der Abstimmung der beteiligten Akteure offengelegt; das Vorgehen der Einrichtungen in Bezug auf die Hygiene erfolgte teilweise unabgestimmt und chaotisch.

    Gewünschte Situation:

    Es sollten konkrete und abgestimmte Anweisungen zum Schul- und Kitabetrieb im Verhältnis zum aktuellen Infektionsgeschehen vorgegeben werden. Dabei soll die gezielte, punktgenaue und effiziente Isolierung von Clustern vor der undifferenzierten Schließung ganzer Einrichtungen stehen. Die Zusammenarbeit zwischen Schulen/ Kindertageseinrichtungen, Gesundheitsämtern und Arztpraxen soll abgestimmt und reibungslos erfolgen.

    Intervention:

    Struktur und Kommunikation: Entscheidend für die Herausforderung der kommenden Saison sind klare lokale Strukturen und Verantwortlichkeiten. Die Leitung der Einrichtung oder Träger sollen mit Hygienemaßnahmen beauftragte Mitarbeiter*innen benennen, die in enger Abstimmung mit den zuständigen Gesundheitsämtern Hygienepläne erstellen. Beabsichtigt ist, dass sich die  Hygienebeauftragten unter Leitung des örtlichen Gesundheitsamtes miteinander vernetzen; dies erlaubt die Nutzung von Synergien in der Erstellung der Hygienepläne, gewährleistet transparente und abgestimmte Hygienepläne, durch deren Einheitlichkeit und Widerspruchsfreiheit sich die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen kann.

    Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Regelbetriebs: Der Dachverband der kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften hat hierzu ein Positionspapier publiziert. Dieses Papier enthält aus Sicht des Beirates sinnvolle und konkrete Handlungsanweisungen, die entsprechend dem lokalen Infektionsgeschehen eskaliert werden können und das Alter der Kinder berücksichtigen (z.B. Klassenteilungen, Stoßlüften, Händedesinfektion, Intensivierung des Digitalunterrichtes etc. ). Außerdem schlägt das „Impulspapier 4 Pädagogischer Score“ des Wissenschaftlichen Beirats in Thüringen eine Rationale vor, wie die Veränderungen des Regelbetriebs sinnvoll vorgenommen werden können.

    Clusterisolierung statt Schließung der Einrichtung: Um Infektionscluster frühzeitig zu erkennen und die Schließung ganzer Einrichtungen zu vermeiden, soll ein Frühwarnsystem eingeführt werden, das in regelmäßigen Abständen asymptomatische Kinder und Betreuungspersonen vor Ort auf SARS-CoV2 testet und bei Nachweis nur für den jeweiligen Gruppenverband Quarantäne zur Folge hat. Schüler*innen und Lehrende werden ermutigt, die Corona-Warn-App zu nutzen.

  • Impulspapier 6:
    „Score“ zur infektiologischen Lagebeurteilung

    27. September 2020

    Ausgangssituation:

    In den zurückliegenden Monaten wurden die Eskalationsstufen des Pandemiemanagements nach epidemiologischen Kennzahlen festgelegt. Diese Beurteilung zur Gefährdung einer Region erfolgte nach zwei Cut-off-Kriterien, die der Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnern zugrunde liegt: bei 35 Neuinfizierten in den letzten sieben Tagen sollte die Region beobachtet werden; ab 50 Neuinfizierten wurde die Region ein Hotspot, in dem verschärfte Maßnahmen zum Infektionsschutz angeordnet werden sollten. Dadurch entstehen zwei Handlungs-Unsicherheiten: Erstens gibt das epidemiologische, quantitative Kriterium allein (35 oder 50/100.000) wenig Aufschluss über die Dynamik eines Pandemiegeschehens, weil eine Angabe über die Wucht der Welle, die auf eine Region schwappt, fehlt. Zweitens eignen sich diese allgemeinen epidemiologischen Kriterien nicht als alleinige Grundlage für lokale Entscheidungen zum Pandemiemanagement, z. B. in Schulen und Kitas oder in anderen Einrichtungen mit Gruppen und Gemeinschaften, weil nichts über die räumliche Verteilung bzw. Konzentration der Neuinfizierten innerhalb einer Region abgelesen werden kann.

    Gewünschte Situation:

    Es sollte ein auf medizinischem Wissen und auf Rechtsgrundlagen basiertes Set von Kriterien geben, welches es erlaubt, entsprechend dem Pandemiegeschehen Entscheidungen auf lokaler (für Schulen und Kitas, Pflege- und Gemeinschaftseinrichtungen) und regionaler Ebene (Gesundheitsämter) konkret zu treffen.

    Intervention:

    Es wird die Entwicklung eines Scores vorgeschlagen, der mehrere Parameter und Variablen erfasst und im Zusammenhang miteinander bewertet. Mithilfe dieses Scores können Entscheidungen für den lokalen Betrieb, z. B. von Schulen und Kitas, getroffen werden. Damit kann eine an Ausmaß, Dynamik und Konzentration ausgerichtete stratifizierte Reaktion erfolgen.

    Parameter des angedachten Scores, die miteinander eine Beziehung stehen, können sein:

    I. Beurteilung des lokalen Infektionsgeschehens
    a. Integration der epidemiologischen Kennzahlen;
    b. Art und Anzahl von Testungen, insbesondere Anzahl von strategischen Testungen an
    lokal sensiblen Orten, so dass eine Aussage über das lokale Infektionsgeschehen
    getroffen werden kann (möglich über die Integration in ein Frühwarnsystem);
    c. Qualitäten der Infektionsentwicklung, wie z. B. Dynamik (Zeit), Ort (begrenzt,
    gestreut). Zuordenbarkeit (epidemiologischer Zusammenhang).

    II. Beurteilung der Kapazität der Beantwortung
    a. Kapazität der Kontaktnachverfolgung:
    i. Anzahl und aktuelle Auslastung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur
    Kontaktnachverfolgung;

    ii. Existenz und Schnelligkeit von mobilisierbarer Unterstützung, z. B. aus
    anderen Gesundheitsämtern in der Region über Netzwerke (horizontal) oder
    über Amtshilfeverfahren (vertikal, z.B. Bundeswehr, RKI).

    b. Ressourcen des Pandemiemanagements:
    i. Gemeinsam abgestimmte Strategie zum Pandemiemanagement mit den
    jeweiligen Akteuren;
    ii. Abgestufte Maßnahmenpläne, priorisiert nach Wirksamkeit zur Eindämmung
    des Infektionsgeschehens und dem Ausmaß des Eingriffs in das Öffentliche
    Leben;
    iii. Eine informierte und handlungskompetente Bevölkerung;
    iv. Transparente Risikokommunikation;
    v. Aktuelle und verfügbare Informationen über die Auslastung des
    Gesundheitssystems.

    Dieser Score ist zunächst ein Entwurf des Wissenschaftlichen Beirats, der zur Veranschaulichung eines konzeptionellen Vorschlags dient und in den Wissenschaften, der Politik und der Öffentlichkeit weiter diskutiert werden kann.

     

  • Impulspapier 7:
    Risikokommunikation

    27. September 2020

    Ausgangssituation:

    Die Maßnahmen zur Pandemiebewältigung und deren fortwährenden Veränderungen werden oft nur unzureichend und z.T. erst spät in konventionellen Einbahnstraßen-Formaten kommuniziert (z.B. Plakate), die die Menschen in die Situation versetzen, lediglich Aufforderungen zu befolgen (z.B. “Hände waschen“). Insbesondere werden die Gründe für Entscheidungen oft nicht ausreichend dargelegt, so dass sich Menschen den Entscheidungen ausgeliefert fühlen, die „die da oben“ getroffen haben. Gleichzeitig werden in verschiedenen Medien- und Kommunikationsformaten Erklärungen offeriert, die dieses Vakuum nur unzureichend und fehlleitend ausfüllen.

    Gewünschte Situation:

    Es soll kontinuierlich eine transparente, proaktive und konsistente Risikokommunikation der Pandemiemaßnahmen erfolgen, die auf der Strategie eines partizipativen und rationalen Pandemiemanagements beruht.

    Intervention:

    Um eine transparente, proaktive und konsistente Risikokommunikation zu ermöglichen, ist es notwendig, die Kriterien, die den Entscheidungen zugrunde liegen, in einer sichtbaren und anschaulichen Weise zu kommunizieren. Hierzu gehören insbesondere die gesellschaftlichen und politischen Abwägungsprozesse, also die Fragen, welche Maßnahmen der Eindämmung des Infektionsgeschehens (z.B. Maske tragen) Eingriffe in das Öffentliche Leben (z.B. einkaufen nur mit Maske) und die Freiheit des Einzelnen rechtfertigen. Wichtig ist hierbei zu betonen, dass es in der Pandemie keine Risikoeinschätzung gibt, die nur individuell ist, sondern dass Maßnahmen und individuelle Verhaltensweisen gleichzeitig sozial motiviert sind und das Risikomanagement für die gesamte Gemeinschaft begründen. Dies erfordert ein grundlegend anderes Narrativ in der Kommunikation als bei lediglich individuell relevantem Risikoverhalten (z.B. Sicherheitsgurt im Auto).

    Eine Begründung der Priorisierung der Kriterien ist wichtig. Risikokommunikation sollte die Priorisierung bei den Abwägungsprozessen thematisieren und Gegenüberstellungen („trade-offs“) sinnvoll verwenden. Damit ist Risikokommunikation politisch. So sollte z. B. eine Landesregierung, die Kindern und Bildung einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft einräumt, dieses auch in den Abwägungsprozessen als Priorität deutlich kennzeichnen durch z. B. “Wir möchten, dass Schulen und Kindertageseinrichtungen so lange wie möglich im Regelbetrieb bleiben, deswegen reduzieren wir das Infektionsrisiko z.B. im Bereich von Freizeitveranstaltungen (z. B. Fußballstadien).” Oder Wir möchten, dass Bewohner*innen in Alten- und Pflegeheimen weiterhin besucht werden können. Deswegen reduzieren wir das Infektionsrisiko durch Karnevalsveranstaltungen.” Diese Art von Risikokommunikation, die stärker das, was mit den Maßnahmen ermöglicht wird, in den Vordergrund stellt, ist zugleich rational und wissenschaftlich begründet  und damit politisch und reflexiv. 

    Gleichzeitig sollte man die Menschen nicht als Teil des Problems, sondern eher als Teil der Lösung sehen, d.h. auf grundlegende psychologische und soziale Prozesse bauen. Unterstützt wird dies u.a. durch Informationen, die darauf hinweisen, dass die meisten Menschen sich im Sinne des Infektionsschutzes verhalten. Auch positive Rollenmodelle können eingesetzt werden, mit denen sich unterschiedliche Menschen identifizieren (Diversität der Modelle beachten). Die Identifikation spielt eine zentrale Rolle in der Risikokommunikation. Menschen schätzen das eigene persönliche Risiko zu erkranken als relativ gering ein, deshalb ist es wichtig, sie in ihrer Funktion als Mitglied einer Gemeinschaft zu adressieren. Das gelingt, wenn Führungspersonen in ihren jeweiligen Einrichtungen (Politik, Schulleitungen, etc.) als auch im öffentlichen Leben das ‘Wir’ und dessen Fähigkeit, Herausforderungen erfolgreich zu meistern („group efficacy“), betonen. Gleichzeitig sollen keine moralischen Kategorien von gutem oder schlechtem Verhalten eröffnet werden; statt einer Emotionalisierung und Moralisierung sollten wie oben genannt, stets die Sachargumente und die gemeinsame Zielerreichung vorgebracht werden. Verordnungen und neue Regelungen sollten proaktiv und in einfach verständlicher Sprache sowie, wenn möglich, visualisiert kommuniziert werden. Viele wollen sich richtig verhalten, es sollte ihnen so einfach wie möglich gemacht werden. Dafür sollten “Übersetzer” beschäftigt werden, die Infografiken (nicht nur Fallzahlen), Schaubilder zu Entscheidungsregeln (z.B. Mit welchen Symptomen darf mein Kind in die Schule?) und Erklärtexte einfach verständlich verfassen; Diese Informationen sollen in für Thüringen relevanten Fremdsprachen verfügbar sein.

    Partizipative Kommunikationsformate werden benötigt, in denen gesellschaftliche Teilnahme, Dialog und Austausch tatsächlich stattfinden können - Stichwort: Zuhören. Hier bieten verschiedene wissenschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Foren schon Formate an (Lab Design), die genutzt werden können. Außerdem stehen klassische Bürgerdialogformate zur Verfügung. Diese Ansätze erlauben zum einen, Ängste, Sorgen und Missstände zu erfragen, aber auch gemeinsam an Lösungsansätzen zu arbeiten. Die Leitidee im Dialog ist es, gemeinsam eine bessere Lösung zu finden, z.B.  wenn das Risiko nicht ganz auf Null reduziert werden kann, wie können wir gemeinsame Regeln finden, die das Risiko minimieren? Wie können z. B. Familienfeiern oder kulturelle und religiöse Gemeinsamkeit mit einem hohen Infektionsschutz ermöglicht werden (Weihnachten, Karneval, Fußball)? Partizipative Formate sollten mit Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden, um dort den öffentlichen Diskurs weiter zu ermöglichen. 

    Risikoreduktion ist ein Aufgabenbereich von Public Health und sollte dabei nicht nur in die Verantwortung von Einzelnen und ihrem individuellen Verhalten im Befolgen der Regeln gegeben werden. Wichtig ist auch eine programmatische und sinnvolle Gestaltung der Umgebung („risk communication by design“): So sollten z.B. Straßenbahntüren automatisch öffnen, ohne dass sie per Knopfdruck bedient werden müssen. Öffentliche Einrichtungen (Schulen, Behörden, Kliniken, etc.) und Orte mit viel Publikumsverkehr (Supermärkte, Züge, etc.) sollten systematisch so umgestaltet werden, dass Infektionsschutzmaßnahmen erleichtert werden. Barrieren an den Supermarktkassen waren eine erste, schnelle Reaktion. Hier sollten nun systematisch Expert*innen herangezogen werden (Architekten, Designer, Hygieniker, etc.), die gemeinsam neue Lösungen für Gemeinschafts- und öffentliche Räume entwickeln.

    Ressourcen für die Risikokommunikation sind allgemein eher knapp bemessen. Ebenso gibt es gesellschaftliche Bereiche, die durch die Pandemie und das Pandemiemanagement stark beeinträchtigt wurden, wie z. B. der Veranstaltungs- und Kulturbereich. Hier könnte ein Synergieeffekt genutzt werden, wenn die Akteure des Kulturbereichs stärker in die gesundheitspolitische Kommunikation eingebunden werden, um proaktive Risikokommunikationsformate zu gestalten und nachhaltig zu beleben. Insbesondere die Innovationskraft und die Kommunikationsstärke der Berufsgruppen im Kulturbereich sollten gezielt für die Risikokommunikation im Pandemiemanagement eingeworben und eingebunden werden.

     

Mitglieder

PD Dr. Dr. Petra Dickmann

Vorsitzende

Universitätsklinikum Jena
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin

Petra Dickmann ist Ärztin und Sozialwissenschaftlerin und leitet den Bereich Public Health an der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin (KAI) des Uniklinikums Jena (UKJ). Sie hat langjährige Erfahrung im globalen Pandemiemanagement, sowohl im Ausbruchsmanagement in Zusammenarbeit mit Internationalen Organisationen (WHO, IFRC) wie auch zu strategischen Fragen der Risikokommunikation im Pandemiemanagement mit Regierungen und Regierungszusammenschlüssen (z. B. G7-Global Partnership). Nach Stationen am Robert Koch-Institut (RKI) im Zentrum Biologische Sicherheit, der Uniklinik Frankfurt am Main im Bereich Infektiologie/Hochinfektiöse Erkrankungen und der London School of Economics and Political Science (LSE) forscht Dickmann zur Governance von Risikomanagement und Risikokommunikation.

Porträt PD Dr. Dr. Petra Dickmann
PD Dr. Dr. Petra Dickmann, Foto: A. Günther (FSU Jena)

Prof. Dr. Silke Übelmesser

stellv. Vorsitzende

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre Finanzwissenschaft

Silke Übelmesser hat seit 2012 den Lehrstuhl für Allgemeine Volkswirtschaftslehre/ Finanzwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena inne. Ihre Hauptforschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Öffentlichen Finanzen, Sozialpolitik, Bildungsökonomie und Migration mit dem Fokus auf empirische Forschung. 2018 wurde Übelmesser in den unabhängigen Beirat des Stabilitätsrates berufen.

 

Prof. Dr. Silke Übelmesser
Prof. Dr. Silke Übelmesser

Prof. Dr. Cornelia Betsch

Universität Erfurt
Lehrstuhl Gesundheitskommunikation

Cornelia Betsch ist Psychologin und hat an der Universität Erfurt die Heisenberg Professur für Gesundheitskommunikation inne. Mit ihrer Arbeitsgruppe, dem Psychology and Infectious Diseases Lab (www.pidi-lab.de), untersucht sie aus psychologischer und interdisziplinärer Perspektive, wie Verhaltensaspekte den Infektionsschutz und den Umgang mit Infektionskrankheiten beeinflussen (zum Beispiel in den Bereichen Impfentscheidung, Impfpflicht, Masketragen, Widerlegen von Gesundheitsmythen, Einsatz von Antibiotika). Sie leitet das COVID-19 Snapshot Monitoring (COSMO), das (zwei)wöchentlich aktuelle Umfragedaten zur psychologischen COVDI-19 Lage unter www.corona-monitor.de veröffentlicht.

 

Porträt Prof. Dr. Cornelia Betsch
Prof. Dr. Cornelia Betsch, Foto: Marco Borggreve

Prof. Dr. Dr. Karlheinz Brandenburg

Technische Universität Ilmenau
Institut für Medien und Mobilkommunikation

Karlheinz Brandenburg war seit 2000 Fachgebietsleiter für Elektronische Medientechnik sowie Gründungsdirektor der Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie in Ilmenau. Seit 2020 ist er Senior Professor an der TU Ilmenau und CEO der neugegründeten Firma Brandenburg-Labs GmbH. Er ist bekannt für Arbeiten an der Audiocodierung (insbesondere das Format mp3). In diesem Zusammenhang ist er insbesondere gefragt zu Auswirkungen der Digitalisierung auf Industrie und Handwerk (z.B. Auswirkungen neuer Technik auf die Musikindustrie).

Prof. Dr. Dr. Karlheinz Brandenburg
Prof. Dr. Dr. Karlheinz Brandenburg, Foto: Fraunhofer IDMT

Prof. Dr. Nicole Harth

Ernst-Abbe-Hochschule Jena
Fachbereich Sozialwesen

Nicole Harth ist seit 2015 Professorin für Psychologie an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Als Sozialpsychologin setzt sie sich gleichermaßen für Theorieentwicklung als auch für die Lösung praxisrelevanter Probleme ein. Sie beschäftigt sich mit sozialer Ungleichheit, sozialen Konflikten und der Bedeutung emotionaler und sozialer Kompetenz in einer zunehmend komplexen Gesellschaft. Aktuell ist sie als Projektleiterin im Bereich Evaluation und Schulentwicklung (Sozialpädagogisches Teamteaching, ESF-Förderung) tätig. An der EAH entwickelt sie den Masterstudiengang Civic Education und ist im wissenschaftlichen Beirat des "Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft", IDZ, aktiv.

 

Poträt von Prof. Dr. Nicole Harth
Prof. Dr. Nicole Harth

Prof. Dr. Sebastian Henn

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie

Sebastian Henn ist seit 2014 Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeographie am Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seine Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte sind Urbane Ökonomien und Quartiersentwicklung, wissensbasierte Regionalentwicklung sowie globale Unternehmensverflechtungen und räumliche Entwicklungsdynamiken. Prof. Henn setzt sich mit den sozioökonomischen Implikationen der Covid-19-Pandemie in räumlicher Perspektive auseinander.

Poträt von Prof. Dr. Sebastian Henn
Prof. Dr. Sebastian Henn

Prof. Nikolaus Knoepffler

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lehrstuhl für Angewandte Ethik

Nikolaus Knoepffler hat Doktorate in Philosophie, Theologie und Staatswissenschaften. Seit 2002 ist er Lehrstuhlinhaber für Angewandte Ethik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) und leitet den Bereich „Ethik in den Wissenschaften“ der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften, deren Dekan er seit 2019 ist, und das fakultätsübergreifende Ethikzentrum der FSU (www.ethik.uni-jena.de). Knoepffler ist zudem kommissarischer Institutsdirektors des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin in der Medizinischen Fakultät. Er ist u. a. Vertreter Thüringens bei der per Staatsvertrag von sechs Ländern eingerichteten Ethikkommission für Präimplantationsdiagnostik bei der LÄK Baden-Württemberg.

Porträt von Prof. Dr. mult. Nikolaus Knoepffler
Prof. Dr. mult. Nikolaus Knoepffler

Prof. Dr. Barbara Lochner

Fachhochschule Erfurt
Lehrstuhl Pädagogik der Kindheit

Barbara Lochner ist Dipl.-Sozialpädagogik (MA) und seit April 2020 Professorin für Pädagogik der Kindheit an der Fachhochschule Erfurt. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe, die außerschulische Bildungsinfrastruktur, pädagogische Professionalität und Organisations- und Personalentwicklung in pädagogischen Einrichtungen. In ihren Forschungsarbeiten setzt sie sich insbesondere mit den Handlungsfeldern und Akteur*innen der Kindertagesbetreuung auseinander. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Thüringen und hat im April die Studie "Thüringer Familien in Zeiten von Corona" initiiert.

 

 

Poträt von Prof. Dr. Barbara Lochner
Prof. Dr. Barbara Lochner

Prof. Dr. Mathias Pletz

Universitätsklinikum Jena
Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene

Mathias Pletz ist Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Jena. Der Internist, Pneumologe, Infektiologe und 2011 zum Professor für klinische Infektiologie nach Jena berufen. Zuvor hatte er an Universitätskliniken in Basel, Berlin und Hannover sowie in Atlanta an der US-Gesundheitsbehörde (CDC) gearbeitet und geforscht. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind Pneumonie, Antibiotikaresistenzen und Impfungen. Er ist Mitglied des Expertenbeirats Influenza und des Wissenschaftlichen Beirates am Robert Koch-Institut sowie der internationalen CoVID-19 Expertengruppe der WHO und arbeitet im Vorstand verschiedener Fachgesellschaften und Forschungsnetzwerke. Er leitet u.a. die Studie zur Häufigkeit von Menschen mit CoVID-19 Antikörpern in Neustadt am Rennsteig.

 

 

Porträt von Prof. Dr. Mathias Pletz
Prof. Dr. Mathias Pletz, Foto: Anna Schroll, FSU Jena

Prof. Dr. Benno Stein

Bauhaus Universität Weimar
Lehrstuhl Web Technology and Information Systems

Benno Stein ist Professor für Informatik und leitet die Forschergruppe Web Technology and Information Systems (Webis) an der Bauhaus-Universität Weimar. Er betreibt Grundlagen- und angewandte Forschung in der Wissens- und Informationsverarbeitung, insbesondere auf den Gebieten des Information Retrieval, des Natural Language Processing und des Maschinellen Lernens. Er ist Mitgründer und Sprecher des Digital Bauhaus Lab.

 

 

Prof. Dr. Benno Stein
Prof. Dr. Benno Stein

Dr. Klaus von der Weiden

Richter am Bundesverwaltungsgericht / Richter am Thüringer Verfassungsgerichtshof

Nach Stationen in der Justiz und in leitenden Funktionen der Thüringer Ministerialverwaltung wurde Klaus von der Weiden 2011 zum Richter am Bundesverwaltungsgericht gewählt. Seit 2015 ist er zudem Mitglied des Thüringer Verfassungsgerichtshofs.

 

 

Dr. Klaus von der Weiden
Dr. Klaus von der Weiden

Prof. Dr. Ing. Viktor Wesselak

Hochschule Nordhausen
Lehrstuhl für regenerative Energiesysteme

Viktor Wesselak hat seit 2003 die Professur "Regenerative Energiesysteme" an der Hochschule Nordhausen inne. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen insbesondere in systemtechnischen Fragestellungen regenerativer Energiesysteme sowie auf allen Aspekten des elektrischen Energiesystems. Er ist Mitglied im Thüringer Nachhaltigkeitsbeirat sowie im Beirat für die Thüringer Energiewende.

 

 

Prof. Dr. Ing. Viktor Wesselak
Prof. Dr. Ing. Viktor Wesselak

Der Freistaat Thüringen in den sozialen Netzwerken: