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Erneuerbarer Wasserstoff: Meinung zu neuen Vorschriften gefragt


Erstellt von Kristina Förtsch

Am 20. Mai 2022 veröffentlichte die EU-Kommission die lang angekündigten Entwürfe für neue Vorschriften darüber, wie aus erneuerbaren Energien hergestellter „grüner“ Wasserstoff rechtlich als solcher nachgewiesen werden kann. Konkret wurde ein delegierter Rechtsakt zur Definition und Zertifizierung für gasförmige und flüssige Kraftstoffe nicht-biogenen Ursprungs (RFNBO, renewable fuels of non-biologic origin) wie erneuerbarer Wasserstoff vorgestellt sowie ein weiterer Entwurf zur Berechnung der Treibhausgaseinsparungen. Mit der Vorlage der Entwürfe beginnt eine öffentliche Konsultation. Daran kann sich hier (Definition und Zertifizierung) bzw. hier (Emissionseinsparungen) bis zum 17. Juni 2022 beteiligt werden. Im Anschluss wird die EU-Kommission ihre endgültigen Vorschläge für die beiden Rechtsakte veröffentlichen. Daraufhin haben Rat und EU-Parlament maximal vier Monate Zeit, die Rechtsakte in Gänze anzunehmen oder abzulehnen. Änderungen sind dann nicht länger möglich. Die in den Vorabversionen problematisierten Prinzipien der Zusätzlichkeit, Gleichzeitigkeit und geographischen Nähe sind weiterhin enthalten, aber insgesamt flexibler gehalten und gelten größtenteils erst ab 2027. Wichtige Änderungen gegenüber den letzten Vorabentwürfen umfassen die Lockerung des Gleichzeitigkeitskriteriums (bis 2027 gilt derselbe Monat statt derselben Stunde als Erfüllungskriterium) und die Nutzung von Netzstrom bei niedrigen Preisen. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die größere Flexibilisierung von der Industrie als ausreichend akzeptiert wird. Insbesondere die Gleichzeitigkeit, die fortdauernde eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit von Strom aus abgeregelten Anlagen oder der weiterhin bestehende Ausschluss ausgeförderter Anlagen könnte trotz der längeren Übergangszeit als problematisch angesehen werden. Umweltverbänden sind die Vorschläge dagegen zu flexibel. Es besteht die Sorge, dass der Vorstoß der EU in Richtung grüner Wasserstoff die erneuerbare Elektrizität kannibalisiert, die für andere Zwecke bestimmt ist – wie die Bereitstellung von sauberem Strom für die Industrie oder Elektrofahrzeuge.

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